Während der Covid-19-Pandemie wurden zahlreiche Arbeitnehmer auf unbestimmte Zeit ins Home Office geschickt und persönliche Treffen mit Kollegen wurden durch Videokonferenzen ersetzt. Viele Unternehmen haben ihre Richtlinien für die Arbeit von zu Hause flexibilisiert und Studien gehen davon aus, dass auch nach Ende der Pandemie etwa 20 Prozent der Arbeitstage in den USA im Home Office stattfinden werden. Doch wie wirkt sich das auf die Zusammenarbeit in Teams aus? Können Videokonferenz-Lösungen den persönlichen Kontakt gleichwertig ersetzen?
Kreativität und Entscheidungsfindung
Mit dieser Frage haben sich nun Melanie Brucks von der Columbia University in New York und Jonathan Levav von der Stanford University auseinandergesetzt. In mehreren Labor- und Feldexperimenten untersuchten sie, wie kreativ Teams sind, je nachdem, ob sie virtuell oder persönlich zusammenarbeiten. Für die Laborexperimente rekrutierten die Forscher insgesamt über 600 Studierende und teilten sie in Zweierteams auf, die gemeinsam neue Anwendungsmöglichkeiten für ein Produkt erfinden sollten und am Ende die beste Idee auswählen sollten. Dabei saßen sich die Teammitglieder entweder persönlich in einem Raum gegenüber oder kommunizierten in zwei getrennten Räumen per Videokonferenz.
Die Forscher zählten einerseits die Anzahl der kreativen Ideen pro Team, andererseits ließen sie unabhängige Juroren bewerten, wie kreativ die jeweiligen Ideen waren. Die Juroren wussten dabei nicht, unter welchen Bedingungen die Vorschläge zustande gekommen waren. Das Ergebnis: „Die virtuellen Paare generierten eine signifikant geringere Gesamtanzahl von Ideen und signifikant weniger kreative Ideen“, berichten die Forscher. „Dagegen fanden wir Hinweise darauf, dass die virtuelle Interaktion die Entscheidungsqualität erhöhen könnte.“ So hatten die persönlichen Teams zwar bessere Ideen in ihrem Ideenpool, wählten aber oft nicht die beste Idee zur finalen Präsentation aus. Dadurch waren die am Ende ausgewählten Ideen bei virtuellen und persönlichen Paaren von ähnlicher Qualität.
Videokonferenz verengt den Fokus
Um Erklärungen für das Phänomen zu finden, werteten die Forscher zahlreiche mögliche Einflussfaktoren aus. Sie erhoben, wie verbunden sich die Testpersonen mit ihrem Teampartner fühlten, analysierten die Wortwechsel in den Gesprächen, verfolgten die Augenbewegungen der Teilnehmer und fragten nach dem Experiment ab, inwieweit sie sich an den Raum erinnerten, in dem sie die Aufgabe absolviert hatten. Dabei zeigte sich: Die empfundene Verbundenheit und das Vertrauen zum Teampartner waren bei virtuellen und persönlichen Paaren ähnlich hoch. Die Gesprächsanalysen zeigten geringfügige Kommunikationsprobleme in den Videokonferenzen, etwa dass die Beteiligten häufiger unbeabsichtigt gleichzeitig redeten und es weniger Sprecherwechsel gab als beim persönlichen Austausch. Mit statistischen Methoden konnten Brucks und Levav jedoch zeigen, dass dies keine Auswirkungen auf die kreative Leistung hatte.





