Verborgene Strukturen und Prozesse in Geweben und Organen werden sichtbar: Die verschiedenen Formen der Magnetresonanztomografie (MRT) gehören zu den wichtigsten Untersuchungsmethoden in der medizinischen Diagnostik sowie in der Forschung. Das Verfahren basiert auf den Prinzipien der sogenannten Kernspinresonanz und wird daher auch als Kernspintomografie bezeichnet. Dabei nutzt man die Reaktion bestimmter Substanzen im Körper auf externe Magnetfelder, um Organe und ihre Funktionen in Schnittbildern darzustellen. Konkret versetzt ein MRT-Scanner dazu bestimmte Atome durch sehr starke Magnetfelder in Resonanzschwingungen, wodurch in einem Empfängerstromkreis ein elektrisches Signal induziert wird. Das hört sich nach einer möglicherweise erheblichen Belastung des Untersuchten an, könnte man meinen. Doch die langen Erfahrungen mit dem Verfahren geben Entwarnung: „Untersuchungen im Magnetfeld sind harmlos und schaden nicht der Gesundheit“, sagt Axel Lindner von der Universität Tübingen.
Effekten „in der Röhre“ auf der Spur
Es sind allerdings durchaus Nebenwirkungen während MRT-Untersuchungen bekannt: „Manche Personen bemerken die Auswirkung des Magnetfeldes, indem ihnen im Scanner leicht schwindelig wird“, sagt Lindner. Außerdem wurde bereits festgestellt, dass es bei Dunkelheit während einer MRT-Scanner-Untersuchung zu einem Augenzittern kommen kann. Dieser Effekt wird auf die Wechselwirkung des Magnetfelds mit Ionenströmen in der Endolymphflüssigkeit im Gleichgewichtsorgan zurückgeführt. Im Rahmen ihrer Studie sind Lindner und seine Kollegen nun der Frage nachgegangen, ob sich bei MRT-Scans auch die räumliche Wahrnehmung von Probanden verändert. Denn von anderen Arten der Stimulation des Gleichgewichtsorgans ist dies bereits bekannt. Die Wissenschaftler untersuchten dazu die Reaktionen von 17 gesunden Freiwilligen in einem MRT-Scanner im Vergleich zu Bedingungen ohne den Einfluss eines Magnetfelds.
Aus den Experimenten ging hervor: Während der MRT-Scans veränderte sich die Wahrnehmung aller Probanden deutlich: Ihre räumliche Aufmerksamkeit driftete zur rechten Seite ab und das Gefühl für die Orientierung des eigenen Körpers im Raum war gestört, ging aus den Testergebnissen hervor. „Die Hirntätigkeit ist unter dem Magnetfeld auf jeden Fall verändert“, resümiert Lindner. Co-Autor Hans-Otto Karnath von der University of South Carolina in Columbia ergänzt dazu: „Die Beobachtungen erinnerten uns stark an Wahrnehmungsstörungen, wie sie nach Schlaganfällen auftreten können: Patienten mit sogenanntem räumlichem Neglect vernachlässigen Reize auf einer Seite des Raums. Sie lesen zum Beispiel nur die rechte Hälfte einer Zeitung oder laufen gegen die linke Seite des Türrahmens, weil sie ihn dort übersehen“, erklärt der Neurologe.





