Im 5. Jahrhundert v.Chr. änderte sich in der keltischen Kunst alles. Während bisher geometrische Ornamente aus Rauten und Rechtecken angesagt waren, hieß die neue Mode nun: florale Muster und Gesichter. Als Paradebeispiele gelten die Objekte aus einer Bestattung im Grab- hügel Kleinaspergle nahe Ludwigsburg, errichtet um 430 v.Chr. Hier fanden Archäologen ein Trinkservice aus einem etruskischen Weinmischgefäß, einem sogenannten Stamnos, und einer Schnabelkanne keltischen Ursprungs. Beide Gefäße tragen ein Dämonengesicht am Henkel. „Wir haben hier Vorbild und Umsetzung im gleichen Grab”, betont Hoppe. Am Henkel des Stamnos ist ein Satyr zu sehen (links im Bild), ein Begleiter des Gottes Dionysos. Auch die Schnabelkanne ziert eine solche Satyr-Maske (rechts im Bild), „wobei der keltische Kunsthandwerker das Motiv in eine eigene Bildsprache umgesetzt hat”. Der Bart geht in Ranken über, die Augen treten glotzend hervor, die Ohren ähneln Hörnern und sind nach oben versetzt. Da die Kelten kaum etwas Schriftliches hinterlassen haben, kommt man nur über die Kunst an ihre Gedankenwelt heran. „Speziell in diesen Tiermischwesen zeigt sich, wie verschmitzt, doppeldeutig und vexierbildartig die keltische Kunst war”, betont Hoppe. „Das ist eine Kunst, die den Betrachter verwirren möchte, die mehr meint, als auf den ersten Blick zu sehen ist.”




