Das eigene soziale Netzwerk ist oft ein entscheidender Faktor, wenn es darum geht, wie weit wir es beruflich bringen. Dabei kommt es weniger auf die Anzahl unserer Freunde an, sondern eher darauf, wie gut diese wiederum vernetzt sind. Wer in vielen Bereichen „jemanden kennt, der wen kennt“, ist im Vorteil gegenüber Personen, deren Freunde weniger einflussreich sind. Der soziale Einfluss einer Person – und damit oft auch ihre Karrierechancen – bemessen sich also daran, wie gut vernetzt ein Individuum mit anderen gut vernetzten Individuen ist.
Wissen über Sozialstrukturen zu Studienbeginn
„Eine einflussreiche Position innerhalb des eigenen sozialen Netzwerks bringt zwar viele Vorteile mit sich, aber bislang war unbekannt, wie bestimmte Personen in der Gesellschaft aufsteigen“, erklärt ein Team um Isabella Aslarus von der Standford University in Kalifornien. Zwar haben frühere Studien bereits gezeigt, dass sozial gut vernetzte Personen meist ein genaueres Wissen über die sozialen Netzwerke in ihrem Umfeld haben. Ob dieses Wissen ihnen allerdings zu ihrer zentralen Stellung im sozialen Geflecht verholfen hat, oder ob sie erst durch ihre Position entsprechendes Wissen erlangen konnten, ließ sich aus den bisherigen Studien nicht ableiten.
„Um diese Frage zu klären, haben wir die Entstehung eines sozialen Gefüges bei Studienanfängern von Beginn an verfolgt“, berichten Aslarus und ihre Kollegen. „Wir haben erhoben, wie sich die sozialen Beziehungen im Laufe des ersten Studienjahres verändern und welches Wissen die Personen über die sozialen Bindungen ihrer Kommilitonen haben.“ Fast 200 Studienanfänger nahmen an der Befragung teil und gaben zu verschiedenen Zeitpunkten im ersten und zweiten Semester an, mit wem sie selbst befreundet sind und welche ihrer Kommilitonen ihres Wissens nach miteinander befreundet sind.
Dabei zeigte sich zum einen, dass sich das soziale Geflecht in den ersten Monaten des Studiums noch deutlich wandelt, bis es sich zu Beginn des zweiten Semesters stabilisiert. Die Anzahl der Freunde änderte sich zwar wenig, doch die Vernetzung unterschied sich erheblich. Die zu Beginn am besten vernetzten Individuen waren nicht unbedingt diejenigen, die auch später die meisten direkten und indirekten Kontakte hatten. Stattdessen erwies sich ein anderer Faktor als ausschlaggebend: Das Wissen über die sozialen Gruppierungen im Jahrgang. Wer schon früh einschätzen konnte, wer zu welcher Clique gehört, zählte im zweiten Semester zu den bestvernetzten und sozial einflussreichsten Personen. „Diese Ergebnisse zeigen, dass das Wissen über die Gruppenzugehörigkeiten dem sozialen Aufstieg vorausgeht“, erklärt das Forschungsteam.





