1845 beauftragt das Britische Empire den Polarforscher John Franklin mit einer Expedition in die Arktis. Er soll erneut nach der Nordwestpassage suchen, dem kürzeren Seeweg zwischen Atlantik und Pazifik. Doch das Unterfangen scheitert und keiner der 129 Expeditionsteilnehmer überlebt. Nun konnten Forscher weitere Crewmitglieder identifizieren.
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von David Neuhäuser
Mit dem Sieg über Napoleon im Jahr 1815 stieg das Vereinigte Königreich von Großbritannien und Irland zur Weltmacht auf See auf – mit der größten Flotte, den meisten Handelsschiffen und nicht zuletzt mit Forschungsschiffen (ehemaligen Kriegsschiffen), die nun überall dorthin fuhren, wo die Seekarten noch weiß waren. Es war das goldene Zeitalter britischer Entdeckungsreisen, geprägt durch Abenteuerlust, Forscherdrang und das Streben nach Ruhm und Macht. Die Arktis war ab 1818 ein solches britisches Expeditionsgebiet – unter anderem deshalb, weil man hoffte, in den arktischen Gewässern die Nordwestpassage vom Atlantik zum Pazifik zu finden, die den britischen Handelsschiffen die weite Umfahrung von Südamerika oder auch die gefährliche Afrikaroute ersparen würde. Doch die Suche erwies sich als schwierig.
Erfolgreich war stattdessen im Jahr 1831 James Clark Ross bei einer anderen wichtigen Suche der Zeit: Im nördlichen Kanada (Nunavut) lokalisierte er erstmals den magnetischen Nordpol. Wichtig war dies deswegen, weil man durch die Erforschung des Erdmagnetfeldes die Navigation deutlich verbessern konnte. Man konstruierte gewissermaßen den Vorgänger des GPS. Für weitere Erdmagnetische Messungen und auch um den magnetischen Südpol zu finden, unternahm er 1839 eine Expeditionsfahrt in die Antarktis. Den Südpol konnte er jedoch nicht ganz erreichen. Insgesamt war Ross mit den beiden umgebauten Kriegsschiffen Erebus und Terror vier Jahre unterwegs. Nach seiner gefeierten Rückkehr gingen neue Überlegungen wieder Richtung Arktis, um dort weitere magnetische Messungen durchzuführen. Aber auch der Gedanke an die Suche nach der Nordwestpassage war wieder da. Nachdem James Ross, der gerade erst von seiner Antarktisreise zurückgekehrt war, eine erneute Expeditionsleitung abgelehnt hatte, fiel die Wahl auf John Franklin.
Franklin hatte an diversen Seeschlachten, darunter der von Trafalgar 1805, teilgenommen und war bereits ein erfahrener Polarforscher. Vor allem war er bekannt als „der Mann, der seine Stiefel aß“. Er hatte 1819 eine Expedition angeführt, die den Coppermine River in Kanada kartografieren sollte. Dabei nahm er Warnungen Einheimischer nicht ernst und kehrte zu spät um. Einige seiner Führer starben, und die Hungernden, einschließlich Franklin selbst, gingen dazu über, ihre Mokassins zu essen. Die Tatsache, dass sie diese Strapazen überlebten, machte sie in der Heimat zu Helden. Nach weiteren Landexpeditionen wurde Franklin sogar zum Ritter geschlagen. Er erhielt das Kommando über die im Mittelmeer patrouillierende HMS Rainbow. Sein lockerer Führungsstil brachte dem Schiff den Spitznamen „Franklin’s Paradise“ ein. Später wurde Franklin Vizegouverneur von Van-Diemens-Land (Tasmanien), nachdem es dort aber Schwierigkeiten gab, war er über die Aussicht auf eine neue Expeditionsleitung hocherfreut.
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Als Schiffe waren wieder die Erebus und die Terror vorgesehen, die sich schon auf der Reise in die Antarktis bewährt hatten. Sie waren bereits eisenverstärkt, nun baute man noch je Schiff eine Dampfmaschine ein. Bei Flaute sollten die 25 PS-starken Eisenbahnmotoren die Schiffe mittels Propellerantrieb auf etwa vier Knoten bringen können. In den Schiffen wurden zudem Rohre verlegt, durch die dampferhitztes Wasser fließen konnte, wodurch einige Bereiche beheizbar waren. Für die Betreuung der neuen Technik sollte der Ingenieur John Gregory seine erste Seereise antreten.
Auch mit Lebensmitteln war die Expedition üppig versorgt. Nach seiner Hunger-Erfahrung in Kanada ließ Franklin tonnenweise Vorräte laden, um bis zu drei Jahre im Eis überstehen zu können. „Weil es eine hervorragend ausgestattete Expedition war, gab keine wirklichen Zweifel daran, dass sie erfolgreich sein würde“, erklärt der Anthropologe Douglas Stenton von der University of Waterloo, Kanada. Hinzu kam, dass die Öffentlichkeit äußerst erfolgsverwöhnt war, was Expeditionsfahrten anbelangte, daher rechnete sie fest mit einem weiteren Triumph. So wurden die Schiffe am 19. Mai 1845 euphorisch aus dem Hafen von Greenhithe in Südostengland verabschiedet.
Fahrt ohne Wiederkehr
Auch die Mannschaft war anfangs frohen Mutes. An Bord der Erebus sorgten nicht nur ein Hund und ein Affe für gute Laune, auch Franklins bekannter umgänglicher Führungsstil zeigte seine Wirkung. Das Transportschiff Barretto Junior begleitete die Expedition bis nach Grönland. Am 12. Juli 1845 kehrte es um und brachte die – wie sich erweisen sollte – letzten Nachrichten von Teilnehmern der Franklin-Expedition nach England zurück.
Dort hatte man zwar einkalkuliert, dass die Schiffe lange unterwegs sein würden, doch irgendwann wurde man unruhig, vor allem Franklins Ehefrau Lady Jane Franklin drängte, etwas zu unternehmen. Als Anfang des Jahres 1848 noch immer kein Lebenszeichen die Heimat erreicht hatte, wurde die Admiralität aktiv. Die erste staatliche Rettungsexpedition leitete James Clark Ross, der 1845 die Führung der Expedition abgelehnt hatte, und den eine Freundschaft mit John Franklin verband. Noch weitere Schiffe starteten ins Polargebiet, doch niemand fand eine Spur der Verschollenen. Von Monat zu Monat wuchs daher die Gewissheit, dass sich eine Katastrophe ereignet haben musste.
Erst im Sommer 1850 führte eine weitere Suchaktion mit 14 Schiffen zu ersten Funden: zurückgelassene Kleidungsstücke, Verpflegung, und schließlich drei Gräber. Auf Tafeln war verzeichnet, dass es die von John Hartnell und William Braine von der Erebus sowie John Torrington von der Terror waren. Damals wusste man noch nicht, dass sie an Tuberkulose gestorben waren.
Ein Teilnehmer der ersten Suchexpeditionen, ein Forscher namens John Rae, befragte auf seinen weiteren Reisen immer wieder einheimische Inuit nach schiffbrüchigen weißen Männern. Eines Tages hatte er damit Erfolg: Inuit berichteten ihm von 40 Männern, die über das Land gezogen waren – schwach und ausgemergelt. Sie hätten bei ihnen Robbenfleisch gekauft und sich dann wieder aufgemacht. Monate später hätten die Inuit ihre Leichen gefunden – mit Anzeichen von Kannibalismus. Diese Nachricht sorgte im Vereinigten Königreich für Bestürzung und Zorn. Viele wollten die Aussage über den Kannibalismus nicht wahrhaben und unterstellten den Inuit sowie Rae, das Andenken von Helden vorsätzlich mit Lügen beschmutzen zu wollen.
Entdeckungen auf King William Island
1857 machte sich eine weitere Expedition auf die Suche nach den Verschollenen, geführt von Kapitän Leopold McClintock. Für ein besseres Fortkommen an Land war die Expedition zusätzlich mit Hundeschlitten ausgestattet. Ihm berichteten Einheimische vom Untergang eines Dreimasters westlich von King William Island sowie von der Landung eines zweiten Schiffs.
Bei Nachforschungen in dem beschriebenen Gebiet fand McClintock ein verlassenes Lager, weitere Leichen und eine hinterlassene Nachricht, verborgen in einer Felsenpyramide. Datiert auf den 28. Mai 1847 stand dort, der Mannschaft unter der Führung Franklins gehe es gut. Fast ein Jahr später, am 25. April 1848, war die Notiz allerdings ergänzt worden: Neun Offiziere und 15 weitere Besatzungsmitglieder seien inzwischen tot – darunter auch John Franklin, der am 11. Juni 1847 gestorben sei. Man habe die Erebus und die Terror zurücklassen müssen, 105 Männer seien an Land gegangen.
Der Grund für das Verlassen der Schiffe ist nicht genannt, vermutlich hatte die Crew ihre Vorräte aufgebraucht und keine Hoffnung mehr, noch über das Wasser weiterzukommen. Zur Zeit der Franklin-Expedition gab es in der Arktisregion ungewöhnlich kalte Winter und die Schiffe steckten tief im Eis fest. Die Expedition war beispiellos gescheitert: „Zu jener Zeit ließen sich die Ereignisse in gewisser Hinsicht als nationale Tragödie bezeichnen“, erklärt Stenton.
Ins Bewusstsein gebrannt
Das erfolgsverwöhnte Britannien traf die Vorstellung der krank und ausgezehrt in den Tod wankenden Seeleute tief. Und bis heute hat man sie nicht vergessen. Vielleicht auch, weil es lange Zeit keine Gewissheit über das Schicksal der Besatzung gab, ist die Franklin-Expedition im Vereinigten Königreich seit nunmehr fast 180 Jahren Teil des kollektiven Gedächtnisses. Bis heute ranken sich Mythen um die Entdeckungsfahrt und sie bildet immer wieder die Grundlage für Bücher und Filme.
Das Thema Nordwestpassage hat mittlerweile eine neue Aktualität erhalten, da sie aufgrund des Klimawandels bald eisfrei sein könnte. Die Passage, die letztlich 1906 vom Norweger Roald Amundsen entdeckt worden war, wird von Kanada beansprucht. Durch bereits über 20 kanadische Expeditionen in das Gebiet gab es auch neue Entdeckungen in Bezug auf die Franklin-Expedition, allen voran die Funde der Schiffwracks: Am 1. September 2014 fand die Crew des kanadischen Eisbrechers Sir Wilfried Laurier dicht unter der Wasseroberfläche die Erebus. Zwei Jahre später entdeckte eine kanadische Organisation mithilfe von Hinweisen des Inuit-Rangers Sammy Kogvik auch die Terror.
Die Verschollenen
Doch wo war die Mannschaft? Es waren 105 Männer, die Anfang 1848 ihre Schiffe verließen und an Land gingen. Sicher ist: Sie alle kamen in der trostlosen Einöde des kanadisch-arktischen Archipels ums Leben. Selbst im arktischen Sommer gibt es auf den Inseln keine nutzbare Vegetation, stattdessen jede Menge Geröll und Felsen. Im Winter scheint kaum die Sonne und es herrschen Temperaturen von bis zu minus 50 Grad Celsius.
Drei der bedeutendsten archäologischen Fundstätten, die von dem verzweifelten Überlebensversuch der Mannschaft zeugen, befinden sich an einem kurzen Küstenabschnitt von King William Island, wo schon McClintock gesucht hatte. Der Anthropologe Stenton und seine Kollegen, die seit vielen Jahren an der Analyse der Funde von menschlichen Überresten und Artefakten der Expedition arbeiten, schlugen in diesem Gebiet immer wieder ihr Lager auf. „Ich habe elf Feldsaisons auf King William Island und der Adelaide-Halbinsel verbracht“, berichtet Stenton. Neben den schwierigen Wetterbedingungen kämpfen die Archäologen dort auch damit, dass sich die Fundstätten von King William Island nicht wie sonst auf einen Ort konzentrieren, sondern über große Bereiche verteilt sind. „Die Artefakte und Knochen liegen buchstäblich auf der Erdoberfläche“, sagt Stenton. „Nachdem die Männer starben, wurden ihre Körper von Tieren über ein gewisses Areal verstreut. Das erschwert die Arbeit, die Funde zu untersuchen und zuzuordnen.“
Per DNA-Analyse identifiziert
Zuletzt haben den Wissenschaftlern DNA-Analysen geholfen, einige der geborgenen menschlichen Überreste mit bestimmten Expeditionsteilnehmern in Verbindung zu bringen. Sie gewannen DNA-Datensätze aus Knochen von 21 Toten aus den Fundstätten von King William Island, benötigten aber für eine Identifizierung zusätzlich die DNA von heute lebenden Nachfahren. Um diese DNA zu erhalten, starteten sie im Jahr 2017 einen Aufruf im National Maritime Museum in Greenwich, London, als dort nach der Entdeckung der Erebus und der Terror eine große Ausstellung zur Franklin-Expedition präsentiert wurde. Stenton berichtet: „Wir platzierten dort einen schriftlichen Aufruf: ‚Wenn Sie mit einem Mitglied der Franklin-Expedition verwandt sind oder dies vermuten – wir führen eine DNA-Studie durch, also setzen Sie sich bitte mit uns in Verbindung.‘“
Der Aufruf war erfolgreich. Die Forscher erhielten 135 Zuschriften aus sieben Ländern. In Zusammenarbeit mit Familienforschern und weiteren Spezialisten konnten die Wissenschaftler 31 Personen ermitteln, die als potenzielle Nachfahren für eine vergleichende DNA-Analyse infrage kamen. Für eine zuverlässige Feststellung der Verwandtschaft per DNA-Analyse ist eine direkte, ununterbrochene mütterliche oder väterliche Abstammungslinie erforderlich.
Von diesen potenziellen Kandidaten nahmen die Wissenschaftler DNA-Proben durch Mundschleimhaut-Abstriche. Diese verglichen sie mit insgesamt 49 DNA-Proben von den archäologischen Fundstätten, und es gab Treffer. „Der erste war John Gregory. Ihn haben wir über einen seiner Ur-Ur-Ur-Enkel gefunden, der in Südafrika lebt“, sagt Stenton. Gregory war jener Ingenieur, der für die Eisenbahnmotoren in den Schiffen zuständig war, ihn hatte seine erste Seefahrt direkt in den Tod geführt.
Die zweite Person war der Marineoffizier James Fitzjames. Er war der Verfasser umfangreicher Tagebucheinträge und Briefe, die von dem Begleitschiff Barretto Junior von Grönland zurück nach England gebracht worden waren, bevor die Erebus und die Terror in das kanadisch-arktische Archipel weitergefahren waren. Für Historiker bilden die Briefe bis heute die Informationsgrundlage über diesen ersten Teil der Expedition. Überdies war Fitzjames auch Verfasser jener Notiz, die McClintocks Mannschaft in der Felsenpyramide gefunden hatte. Zu diesem Zeitpunkt war Fitzjames Nachfolger Franklins als Kapitän der Erebus. Die Analyse seiner Knochen ergab noch einen tragischen Befund: Sie zeigen Spuren von Kannibalismus, Teile seiner Leiche waren mit dem Messer abgetrennt worden.
Zwei neuere von Stenton und seinen Kollegen veröffentlichte Arbeiten berichten von der Identifizierung vier weiterer Expeditionsteilnehmer: William Orren, Vollmatrose, David Young, Schiffsjunge erster Klasse, John Bridgens, Steward für die Unteroffiziere, und Henry Peter („Harry“) Peglar, Captain of the Foretop (wörtlich übersetzt: Kapitän des Vormars – ein Unteroffiziersgrad in der Royal Navy).
William Orren hatte 1845 mit 38 Jahren auf der Erebus angeheuert. David Young, der am 9. April 1845 im Alter von 17 Jahren Teil der Erebus-Besatzung wurde, fuhr schon als Elfjähriger zur See. Er starb ebenfalls auf King William Island, doch immerhin fand man an seinen Knochen keine Spuren von Kannibalismus. Die Forscher ließen von ihm eine forensische Gesichtsrekonstruktion erstellen, sodass man heute in etwa abschätzen kann, wie Young ausgesehen haben könnte. Mit solchen Rekonstruktionen bekommt die Mannschaft der Erebus buchstäblich ein neues Gesicht – neben denen der Offiziere, die kurz vor dem Beginn der Expedition fotografiert worden waren.
Rätsel um Peglar gelöst
Was den Unteroffizier Harry Peglar betrifft, so haben die Forscher mit der DNA-Analyse ein Geheimnis um ihn lüften können. Peglars Leiche war bei der Suchexpedition von McClintock gefunden worden, er war allein und hatte kryptische Notizen bei sich, die als „Peglar Papers“ bekannt wurden. Teilweise hatte er sie rückwärts verfasst und ihr Inhalt ist größtenteils unverständlich. Aufgrund des ebenfalls bei ihm gefundenen Seemannsausweises schien seine Identität klar. Doch etwas passte dabei nicht: McClintock hatte berichtet, Peglar habe eine zweireihige Weste und ein schwarzes Seidentuch getragen, das zu einer lockeren Schleife gebunden war – ein Stil, der bei Offizieren nicht üblich war, sondern eher zu einem Steward passte. Daraufhin setzte sich die Interpretation durch, der Tote sei doch nicht der Unteroffizier Peglar. Die DNA-Analyse von Stenton und seinen Kollegen widerlegte nun jedoch diese These. Der Mann war tatsächlich Peglar. Vermutlich war er vor seinem Tod degradiert worden und trug deshalb vermeintlich unpassende Kleidung. „Wenn man sich Peglars Dienstakte genau ansieht, stellt man fest, dass er mindestens ein halbes Dutzend Mal degradiert wurde“, erklärt Stenton. „Peglar verlor mehrmals wegen Fehlverhaltens seinen Rang. Und er wurde sogar in Ketten gelegt und erhielt zwei Dutzend Peitschenhiebe, weil er betrunken war und weil er gemeutert hatte.“
Die Identifizierungen von Orren, Young, Bridgens und Peglar zeigen, wie neue Analysemöglichkeiten schlagartig zu Erkenntnissen führen können, die zuvor noch außer Reichweite waren. Zudem beleuchten sie über eineinhalb Jahrhunderte nach der Katastrophe die Schicksale einzelner Menschen und geben Einblicke darin, wer sie waren und was mit ihnen geschah.
Insgesamt sind nun die Überreste von elf Teilnehmern der Franklin-Expedition identifiziert. Die Männer Hartnell, Braine und Torrington wurden in beschrifteten Gräbern gefunden. Lieutenant John Irving konnte anhand einer Medaille identifiziert werden und der Assistenzarzt Harry D. S. Goodsir ließ sich mit forensischen Methoden durch seine auffällige Lippengrube und eine besondere Form des Unterkiefers zuordnen, zudem wies eine durchgeführte Isotopenanalyse seines Zahnschmelzes auf seine Heimat Ostschottland hin.
Stenton und sein Team konnten durch die neuen DNA-Analysen bislang sechs Besatzungsmitglieder identifizieren. Und schon bald dürften weitere folgen.
Die Forschungsarbeit von Stenton bringt in gewisser Weise die Menschen zu ihren Familien zurück. „Ihre Nachkommen wissen nicht, wo sie gestorben waren“, sagt Stenton. „Nun können wir weiteren Familien sagen: ‚Wir haben ihn gefunden. Und wir haben ihn dank Ihrer Hilfe gefunden.‘“ Ohne die Mitarbeit der Nachkommen wäre diese Forschung nicht möglich – und wer von einer familiären Verbindung zu Expeditionsteilnehmern weiß, hat nun nach fast 180 Jahren die Chance, ein noch offenes Kapitel seiner Familiengeschichte abzuschließen. ■
David Neuhäuser ist promovierter Historiker. Er schreibt unter anderem für das Magazin DAMALS und ist Mitgründer, Co-Autor und Co-Moderator des Podcasts „Damals und heute“.
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