Eine der zentralen Personen hinter dem Vorhaben ist Wladimir Litwinenko, Rektor der Bergbau-Universität Sankt Petersburg und einflussreicher Milliardär mit engen Verbindungen zur russischen Rohstoffindustrie. Er vertritt seit Jahren die Ansicht, dass Erdöl nicht zwingend aus fossilen Quellen stammen muss, sondern sich auch „abiogen“ bilden kann.
Biogen und abiogen
Um zu verstehen, was das heißen soll, erinnern wir uns kurz daran, wie das Erdöl auf unserem Planeten laut wissenschaftlichem Konsens tatsächlich entstanden ist: Vor Millionen von Jahren lagerte sich abgestorbenes biologisches Material wie Algen und Plankton am Meeresboden ab und wurde von Sedimenten bedeckt. Unter zunehmendem Druck und steigenden Temperaturen wurden die organischen Substanzen über geologische Zeiträume chemisch umgewandelt, wobei die Kohlenwasserstoffe entstanden sind, aus denen Erdöl besteht. Das Ganze nennt sich dann biogene Erdölentstehung, weil es dafür organisches Material mit biologischem Ursprung braucht.
Bei der Hypothese der abiogenen Erdölentstehung geht man hingegen davon aus, dass sich die Kohlenwasserstoffe des Erdöls nicht aus biologischem Material, sondern aus anorganischen Stoffen viel tiefer im Erdinneren bilden und dann durch Risse nach oben in die Erdkruste gelangen. Laut der Theorie sammeln sich die Kohlenwasserstoffe dort an undurchdringbaren Schichten und bilden Erdölvorkommen – die sich theoretisch deutlich schneller erneuern könnten, als es bei biogenem Öl der Fall ist.
Aufschlussreiche Kohlenstoffisotope
Doch in der Wissenschaft ist man von dieser Idee im Allgemeinen nicht besonders überzeugt. Zwar ist es tatsächlich möglich, Kohlenwasserstoffe durch bestimmte chemische Reaktionen von Wasser mit Gestein unter ausreichendem Druck zu erzeugen – einige Methanblasen unter dem Meeresboden scheinen auf diese Weise entstanden zu sein, und auch abiogenes Öl existiert mit ziemlicher Sicherheit. Ich glaube nicht, dass irgendein Wissenschaftler das bestreitet. Die entscheidende Frage ist jedoch, wie viel es davon gibt und wo. Und bislang deutet halt alles darauf hin, dass abiogene Prozesse für die Entstehung des Erdöls und Erdgases auf der Erde keine signifikante Rolle gespielt haben – und sich daran auch nicht plötzlich etwas ändern wird.
Um es klar zu sagen: Wir wissen, dass das Öl, das wir derzeit als fossilen Brennstoff nutzen, praktisch ausschließlich organischen Ursprungs ist. Es handelt sich also um biogenes Erdöl. Ein wichtiges Indiz dafür ist das Verhältnis verschiedener Kohlenstoffisotope, also Varianten des Kohlenstoffs, im Öl: Bei der Photosynthese von Pflanzen, Algen und Bakterien wird das leichtere Kohlenstoffisotop 12C gegenüber 13C bevorzugt aufgenommen, weshalb biologisch entstandenes organisches Material charakteristisch arm an 13C ist – eine Signatur, die sich auch im Erdöl wiederfindet.



