Ist die IAU, die offizielle Standesvertretung der Astronomie, in Wahrheit also ein Hort der Monarchie? Nein. Aber genau wie das Adelsaufhebungsgesetz hat auch die IAU im Jahr 2019 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Deswegen durfte im Rahmen einer NameExoWorlds-Aktion jedes Mitgliedsland der IAU die offiziellen Namen für einen Stern und seinen Planeten auswählen. Die jeweiligen Bevölkerungen waren aufgerufen, Vorschläge einzureichen, und eine Jury hat dann die vielversprechendsten ausgewählt. In Österreich haben sich dabei „Franz und Sissi“ gegen Einreichungen wie „Dachstein und Großglockner“ oder „Fiaker und Pummerin“ durchgesetzt. (Zwei Berge, eine Kutsche und eine Glocke. Und alle vier in Österreich sehr bekannt, außerhalb davon aber nicht so sehr.) Neben Österreich haben noch 109 andere Länder bei der Geburtstagsaktion der IAU mitgemacht.
Deutschland durfte übrigens den Stern HD 32518 und den zugehörigen Exoplaneten taufen: Auf Vorschlag einer Schulklasse aus Baden-Württemberg heißen sie nun „Mago und Neri“. Warum? Weil der Stern im Sternbild Giraffe liegt. Und wo gibt es viele Giraffen? Im Mago-Nationalpark in Äthiopien, durch den der Fluss Neri fließt. Na ja.
Aber die Frage ist doch: Hätte man sich den Aufwand mit Einreichung, Jury, Abstimmung und so weiter nicht auch sparen können? Immerhin findet man im Internet ja jede Menge Seiten, auf denen man „Sterntaufen“ problemlos durchführen kann: „Taufe einen echten Stern am Nachthimmel“, wird da versprochen, oder „Deine Sterntaufe wird direkt in das International Space Register eingetragen“. Zum Preis eines Restaurantbesuchs kann man sich einen Stern aussuchen, benennen und die entsprechende Registrierung wird sofort durchgeführt. Ab dann ist der Wunschname im Katalog eingetragen und das entsprechende Zertifikat kommt ein paar Tage später mit der Post.
Unverbindliche Urkunden
Interessanterweise sind diese Angebote vollkommen korrekt. Man bekommt genau das, was versprochen wurde. Es gibt nur ein Problem: Die Taufe ist allen anderen komplett wurscht und ganz besonders der Astronomie. Das „International Space Register“, das „Star Register“ und die anderen Datenbanken haben keinerlei offizielle Bedeutung. Bei manchen Sterntaufen-Seiten steht das sogar gut versteckt in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen: „Es handelt sich ausdrücklich um ein symbolisches Geschenk und nicht um eine offizielle Registrierung.“ Genau genommen kauft man sich also nur eine Urkunde, die man ebenso gut zu Hause selbst hätte schreiben und ausdrucken können – und die dann genau so verbindlich wäre. Nämlich gar nicht. Die einzigen verbindlichen Namen und Bezeichnungen, zumindest für die Wissenschaft, sind die, die die Internationale Astronomische Union vergibt. Und dort ist es gar nicht so einfach, Sterne nach sich selbst (oder anderen Menschen) zu benennen.




