High-Tech-Diebe der Zukunft vergreifen sich nicht an barem Geld, Schmuck oder Autos. Für sie gibt es ein weniger gefährliches, aber gleichwohl lukratives Betätigungsfeld: der Klau fremder Identitäten. Das ist die Quintessenz eines Berichts, den Kriminologen des Foresight Crime Prevention Panel für die britische Regierung angefertigt haben. Die Wissenschaftler gehen davon aus, daß Geld und wertvolle Gegenstände in Zukunft immer effektiver mit elektronischen Mitteln geschützt werden. Wer an seinen Besitz will, braucht dazu entsprechende Chipkarten, geheime Nummern oder Kennworte. Will ein Dieb diese Barrieren umgehen, muß er an die entsprechenden Codes oder die Daten auf der Chipkarte gelangen, um anschließend etwa das Konto seines Opfers zu plündern. In den USA boomt der Diebstahl von Identitäten bereits: Mit gestohlenen Kenndaten erstehen Langfinger Luxusgüter, führen teure Telefongespräche oder reisen durch die Welt. In einigen Fällen bestachen Diebe Beamte, um an die Daten zu gelangen oder bezahlten Müllarbeiter dafür, daß sie den Abfall nach vertraulichen Unterlagen durchwühlten. Die größte Fundgrube für persönliche Daten ist jedoch das Internet. So soll ein russischer Hacker aus dem Rechner des Musikhändlers CD Universe die Nummern von 300000 Kreditkarten gestohlen haben. Sogar die Kreditkarten-Nummern von Microsoft-Gründer Bill Gates wurden via Internet geklaut – allerdings konnte der Langfinger schnell dingfest gemacht werden. Die Kriminonologen gehen davon aus, daß Internet-Diebe nicht in das Klischee des arbeitslosen Jugendlichen passen, der sein Taschengeld aufbessern will. Sie sind in der Regel Angestellte der Computer- Branche, die über das nötige Know-how verfügen.
Andreas Wawrzinek




