Vor mehr als hundert Jahren entwickelte die italienische Ärztin und Reformpädagogin Maria Montessori ein pädagogisches Konzept, das die kindliche Freude am Lernen in den Mittelpunkt stellt. In altersgemischten Gruppen können die Kinder selbst entscheiden, womit sie sich beschäftigen möchten. Die Lehrkraft stellt ihnen dabei Materialien und Anregungen zur Verfügung. 1907 eröffnete Montessori ihre erste Bildungseinrichtung in einem römischen Armenviertel. Heute kommen ihr Konzept und Variationen davon weltweit zum Einsatz. In Deutschland sind mehr als 500 Kitas und Schulen Teil des Dachverbands Montessori Deutschland, in den USA lehren über 600 öffentliche Schulen nach Grundsätzen der Montessori-Pädagogik.
Montessori-Methode im Vergleich
„Trotz ihrer großen Verbreitung gibt es bisher kaum wissenschaftliche Belege zur Wirksamkeit der Montessori-Methode“, erklärt ein Team um Angeline Lillard von der University of Virginia in Charlottesville. Bisherige Studien fokussierten sich meist auf einzelne Einrichtungen oder hatten keine passende Kontrollgruppe. Lillard und ihr Team haben nun über drei Jahre hinweg die Entwicklung von 588 Kindern verfolgt, die entweder eine öffentliche Montessori-Vorschule oder eine andere staatliche Vorschule besuchten.
Um die Vergleichbarkeit der Gruppen sicherzustellen, bezogen die Forschenden nur Kinder in die Untersuchung ein, die nach Wunsch der Eltern eine Montessori-Vorschule besuchen sollten. Da die 24 an der Studie teilnehmenden Montessori-Einrichtungen jedoch mehr Anmeldungen als Kapazitäten hatten, wurde zufällig ausgelost, welche Kinder einen Platz erhielten und welche auf ein alternatives Angebot zurückgreifen mussten. Nach jedem Jahr absolvierten die Kinder verschiedene Tests, in denen sie sowohl akademische Fähigkeiten wie Lesen, Rechnen und Gedächtnis unter Beweis stellen mussten, als auch soziale Kompetenzen.
Freies Lernen für bessere Ergebnisse
Das Ergebnis: „Am Ende der Kindergartenzeit schnitten die Montessori-Kinder signifikant besser ab, wenn es ums Lesen, Kurzzeitgedächtnis, das Hineinversetzen in andere sowie die Selbstkontrolle ging“, berichten die Forschenden. In Bereichen wie Rechnen, Wortschatz, Frustrationstoleranz und soziale Problemlösung unterschieden sich die Ergebnisse hingegen nicht signifikant von der Kontrollgruppe. Im Gegensatz zu früheren Studien zeigten sich die Unterschiede zudem erst am Ende der Kindergartenzeit, nicht aber in den beiden vorangegangenen Jahren. „Möglicherweise braucht die Montessori-Pädagogik einfach etwas Zeit, bis ein positiver Effekt auf die Kinder feststellbar wird“, mutmaßt das Forschungsteam.
Auch ein weiterer Faktor könnte aus Sicht der Forschenden eine Rolle spielen: So setzt die Montessori-Methode auf altersgemischte Gruppen, in denen die älteren Kinder den jüngeren etwas beibringen. „Viele Montessori-Lehrkräfte berichten, dass die Kinder in ihrem dritten Jahr in der Lerngruppe aufblühen und das in den ersten beiden Jahren erworbene Wissen nutzen, um Führungsrollen zu übernehmen“, erklären Lillard und ihr Team. Um herauszufinden, welche Rolle das gegenseitige Lehren für den Lernerfolg der Montessori-Kinder spielt sind jedoch weitere Studien erforderlich.





