Sie kennen das: Man hat ein neues Gerät erworben, drückt voller Freude auf die Knöpfe – und nichts funktioniert so, wie es der vollmundige Verkäufer und die beredte Gebrauchsanleitung glauben machen wollten. Mit meinem ersten “Pilot”, einem elektronischen Notizbuch – neudeutsch: Organizer – der Firma US-Robotics erging es mir nicht anders. Nichts klappte so, wie es sollte. War ich wieder einmal zu begriffsstutzig, um den Anweisungen von elektronischen Geräteherstellern folgen zu können? Frust kam auf, schließlich rührte sich gar nicht mehr, und ich tauschte das Gerät um: Das hätte ich gleich tun sollen. Denn das Tauschgerät arbeitete tatsächlich so präzise, wie versprochen wurde.
Faszinierend ist vor allem, mit welch traumwandlerischer Sicherheit der Organizer meine dahingekritzelten Druckbuchstaben lesen und verarbeiten kann. Ein bißchen Übung ist zwar nötig, um das Alphabet so einzuüben, wie es der Pilot akzeptiert. Doch Probleme macht das nicht. Durch die klare Schreibanweisung können auch solche Buchstaben, Zahlen und Zeichen rasch in Erinnerung gerufen werden, die man nicht mehr drauf hat. Wer lieber auf einer Tastatur arbeitet, kann sich eine solche auf das Display zaubern. Freilich: Ältere könnten mit der miniaturisierten Tastatur Schwierigkeiten haben.
Die Informationen des Pilot können auf PC überspielt werden. Daten, die über eine spezielle Maske im PC eingegeben wurden, sind ebenso einfach auf den Pilot übertragbar: Ich selbst bin wirklich kein Experte im Installieren von Software und finde auch nicht mit traumwandlerischer Sicherheit die “serielle Schnittstelle” im PC. Dennoch gelang es mir binnen einer halben Stunde, den Datenaustausch von Pilot zu PC und umgekehrt sicher und vor allem vollständig vorzunehmen. Und was wichtig ist: Auch Tage später beherrschte ich diese Transaktion noch mühelos. Die Arbeit mit Kalender, Adreßbuch, Merkzettel oder Memoliste ist sowohl im Pilot als auch im PC so narrensicher, daß man die zwei äußerst sorgfältig und instruktiv geschriebenen Handbücher wirklich nur im Notfall zu Hilfe nehmen muß.
Die einfache Handhabung hat dazu geführt, daß der Pilot 5000 im US-Einzelhandel bereits kurz nach der Einführung alle anderen Digitalen Assistenten an die Wand gedrückt hat – mit einem Marktanteil von 50 Prozent.
Die Vorläufer Als Apple 1992 seinen “Newton” auf den Markt brachte und absah, daß sich bei der hauseigenen Handschriftenerkennung Probleme auftürmten, bot es den Newton auch wahlweise mit der Graffiti-Handschriftenerkennung der Firma Palm Computing an. Später verschwand dieses einfach handhabbare Schreibsystem wieder aus dem Newton-Angebot. Ende 1995 kaufte die finanzstarke US-Robotics, der Marktführer bei Modems oder Online-Datenkommunikationsgeräten, Palm Computing (rund 50 Mitarbeiter) auf und führte den Pilot 5000 im Juni 1996 in den USA im Markt der Persönlichen Digitalen Assistenten (PDA) ein. In Deutschland war es im September 1996 soweit.
Der Preis Der Pilot 5000 kostet seit der diesjährigen Cebit 679 Mark (zuvor wurde er um 100 Mark teurer gehandelt). Seit wenigen Tagen gibt es auch eine aufgerüstete Version “Palm Pilot Personal Edition” für 749 Mark (mit einem Modus für Reisekostenabrechnungen sowie einer Display-Beleuchtung). Im Juni soll noch eine “Professional Edition” (mit E-mail-Funktion, Preis: 899 Mark) hinzukommen. Durch sie ist ein weltweiter Datenabgleich mit allen entsprechend vernetzten PC – etwa eines Unternehmens – möglich.
Der Gebrauchswert Die Vorderseite des Pilot (Größe etwa Geldbörsenformat) besteht im wesentlichen aus dem Display. Über elf Tasten und einen Stift lassen sich alle Funktionen ansteuern. Die Daten-Eingabe und -Verwaltung über den Stift ist einfach und präzise, sie erfordert nur kurzes Einlernen und keine manuelle Geschicklichkeit. Durch den einfach zu installierenden Datenaustausch mit jedem modernen PC (für Apple-Computer ist ein zusätzlicher englischsprachiger Aufrüstsatz zum Preis von 49 Mark nötig), gehen die Anwendungsmöglichkeiten weit über das normale Maß eines Persönlichen Digitalen Assistenten hinaus.
Die Technik Das Betriebssystem des Pilot ist außerordentlich kompakt und benötigt nur 33 Kilobyte Speicherplatz. Der gesamte Speicher umfaßt 500 Kilobyte. Die demnächst auf den Markt kommende “Professional Edition” hat eine Speicherkapazität von 1 Megabyte. Gesteuert wird der Pilot von einem Motorola-Prozessor der 68000-Generation. Die Schreib- und Berührungsautomatik funktioniert nach den Prinzip der Vektorgrafik: Startpunkt, Bewegungsrichtung, Angelpunkt und Endpunkt der Schreibbewegung charakterisieren die Buchstaben und ermöglichen dem Rechner deren Erfassung. Vorteil: Leichtes Zittern oder variierende Schriftgröße beeinflussen die Lesbarkeit nicht.
Wolfgang Hess




