Rechnen ungenügend? Kein Problem – wozu gibt es schließlich Taschenrechner. Vor 60 Jahren sah das Ganze noch völlig anders aus: In der Zeit vor Pentium & Co waren ganze Abteilungen aus Industrie und Wissenschaft mit dem Jonglieren von Zahlen beschäftigt. Allerdings hatte nicht jeder das Glück, sogenannte Rechenknechte für die stupiden Arbeiten einspannen zu können. Dem Ingenieur Konrad Zuse ließ das lästige Rechenproblem keine Ruhe. Seine Vision war, den Ingenieuren die zeitraubenden Rechenarbeiten durch eine Maschine abzunehmen. Gesagt, getan: Aus 2500 ausgedienten Telefonrelais, verlötet mit Unmengen an Kupferdraht, konstruierte Zuse am 12. Mai 1941 in Berlin den ersten frei programmierbaren Rechner – mit Namen Z3. Das Zeitalter des Computers war eröffnet. Der tonnenschwere Koloß war ein wahres Wunderwerk, das nicht nur alle vier Grundrechenarten, sondern auch das Wurzelziehen nahezu fehlerfrei beherrschte. Daher gilt Zuse heute fast überall als Schöpfer des ersten programmierbaren Rechners, der wirklich funktionierte.
Pünktlich zum 60. Geburtstag erlebte das Rechenwunder seine Wiedergeburt. Horst Zuse, Sohn des 1995 verstorbenen Erfinders, stellte mit einem Team von Wissenschaftlern der Technischen und der Freien Universität Berlin Mitte Mai im Berliner Konrad Zuse Zentrum den ersten funktionstüchtigen Nachbau der Z3 vor. Mit einer Taktfrequenz von fünf bis zehn Hertz arbeitete die Z3 wesentlich schneller und zuverlässiger als ihre mechanischen Vorgänger. Das Multiplizieren und Dividieren schaffte die Z3 in drei Sekunden, für eine Addition benötigte sie nur sensationelle 0,7 Sekunden. Mit einem Arbeitsspeicher von 64 Bytes und ihrem Gleitkommawerk war die Z3 ein echtes Rechengenie; durch ihr Schwergewicht von rund einer Tonne durfte man sich also nicht beirren lassen. „Zugegeben, im Vergleich zum Original von 1941 ist der Nachbau 2001 eher ein Z3-Laptop”, sagt Paul Rojas, ein langjähriger Mitarbeiter des Z3-Erfinders. Doch schließlich soll der wiederbelebte Urrechner auf Reisen gehen, um Schülern und Studenten die Grundfunktionen eines Computers anschaulich zu demonstrieren. So sorgen heute moderne Relais statt klobiger Telefonbauteile für korrekte Schaltungen, und statt Kabelsalat gewährleisten winzige Platinen den reibungslosen Datenfluß. In technischen Detailfragen gab es für die Entwickler jedoch keine Kompromisse. So versuchten die Wissenschaftler, jede einzelne Schaltung des Originals zu rekonstruieren. Das war nicht einfach, denn die Z3 wurde mitsamt allen Bauplänen bei einem Bombenangriff im Zweiten Weltkrieg zerstört. Hilfe bei der Rekonstruktion versprach man sich von dem maßstabsgerechten Z3-Nachbau, den Konrad Zuse selbst in den sechziger Jahren angefertigt hatte. Doch selbst die Aufzeichnungen, die der Erfinder zur Z3 hinterließ, waren für Zuse Junior und sein Team nicht immer nachvollziehbar. So sind noch immer nicht alle Funktionen der insgesamt 20000 Schaltungen geklärt. Aber mal ehrlich: Wer kann schon behaupten, daß er weiß, wie sein Taschenrechner funktioniert? .
Thomas Niemann




