Nicht-verwandte Kinder, die im selben Elternhaus aufwachsen, entwickeln sich nicht automatisch gleich. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der amerikanischen Wissenschaftlerin Nancy Segal von der University of California in Fullerton. Damit stärkt die Psychologin der traditionellen Zwillingsforschung den Rücken. Demnach sind die Gene für die Ausbildung ähnlicher Interessen und Vorlieben verantwortlich. Etliche Sozialwissenschaftler behaupten dagegen, entscheidend dafür sei die gleiche Erziehung und Umgebung.
Segal untersuchte 90 Paare nicht-verwandter Geschwister im Alter zwischen vier und sieben Jahren. Manchmal war nur ein Kind adoptiert, sonst beide. Der Altersunterschied der „Geschwister” lag bei maximal neun Monaten. „Was wir herausfanden, war sehr erstaunlich”, sagt die Forscherin. „Der Einfluß der gemeinsamen Umgebung wirkte sich so gut wie gar nicht auf den Intelligenzquotienten aus.” Der Korrelationskoeffizient lag durchschnittlich bei 0,26. Bei „richtigen” Geschwistern liegt er bei 0,50, bei eineiigen Zwillingen sogar bei 0,86. Die nicht-verwandten „Zwillinge” unterschieden sich oft wie Tag und Nacht.
Damit scheint die These widerlegt, daß Kinder sich einander angleichen, wenn sie gleich erzogen und behandelt werden. Verantwortlich für dieses „Zwillings-Phänomen” wären dann wirklich Erbanlagen.
Hans Groth




