Er könnte aussehen wie eine glühende, zerklüftete Eisenkugel: der Planet Kepler-10b, der kleinste bislang entdeckte Trabant eines anderen Sterns. Aufgespürt hat ihn das Kepler-Weltraumobservatorium bei dem etwa 560 Lichtjahre fernen Stern Kepler-10, den er periodisch verfinstert. Aus den Helligkeitsmessungen des Sterns schließen Astronomen um Natalie Batalha vom Ames Research Center der NASA in Moffett Field, Kalifornien, dass der Planet seinen Stern alle 0,84 Tage einmal umkreist. Sein Abstand zum Stern von etwa 2,5 Millionen Kilometern beträgt nur ein Zwanzigstel der Distanz zwischen Merkur und Sonne. Erdähnliches Leben ist auf einer solchen Glutwelt also unmöglich.
Aus den Messungen haben die Astronomen die Größe des Planeten abgeschätzt: etwa 18 000 Kilometer. Seine Masse beträgt das 4,6-Fache der Erde. Das folgt aus zusätzlichen Daten vom 10-Meter-Keck-Teleskop auf Hawaii. Es hat die periodischen Spektrallinien-Verschiebungen des Sterns Kepler-10 gemessen, verursacht vom Schwerkrafteinfluss des Planeten. Danach konnten Batalha und ihre Kollegen auch die Dichte von Kepler-10b berechnen: erstaunliche 8,8 Gramm pro Kubikzentimeter – das entspricht etwa der Dichte von Eisen. Diese Dichte übertrifft die der Erde von 5,5 Gramm pro Kubikzentimeter beträchtlich und weist auf große metallische Anteile im Inneren des Planeten hin. Die Oberflächenschwerkraft von Kepler-10b dürfte das 2,2- Fache der irdischen Gravitation betragen.
Wahrscheinlich ist der Planet durch die Hitze seines Sterns teilweise verdampft: Seine ursprüngliche Kruste und viele leichte Elemente sind ins All entwichen, und nur der schwerere Kern und Mantel sind übrig geblieben. Ob Kepler-10b als kleiner terrestrischer Planet entstanden ist oder aber in größerer Entfernung als jupiterähnlicher Gasriese, der dann zu seinem Stern „wanderte” und inzwischen fast größtenteils verdampft ist, lässt sich zurzeit nicht entscheiden.
Kepler-10 im Sternbild Drache ist ein Stern vom Spektraltyp G wie unsere Sonne und hat etwa neun Zehntel der Masse von ihr, ist aber gut doppelt so alt wie sie. Astronomen haben Anzeichen dafür gefunden, dass es dort einen weiteren, rund einen Fünftel Jupiter-Radius großen Planeten gibt, mit einer Umlaufdauer von etwa 45,3 Tagen und einer Sterndistanz von 36 Millionen Kilometer.




