Szenen einer Ehe: Er sitzt vor dem Fernseher und verfolgt gebannt ein Länderspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft. Sie möchte ihm wichtige Nachrichten aus der Nachbarschaft berichten. Da er in keiner Weise reagiert, sondern unverwandt auf den Bildschirm starrt, fühlt sie sich zurückgesetzt, erhebt wütend die Stimme – und als auch das nichts fruchtet, verlässt sie zornentbrannt das Zimmer. Die Tür knallt, der Krach sitzt. Müsste er aber nicht, behaupten Forscher der Universität Jena. Denn der gescholtene Ehemann habe die Dringlichkeit des Anliegens seiner Angetrauten angeblich gar nicht gehört – es gelte also die Unschuldsvermutung.
Die Psychologen um Thomas Straube hatten in einer Studie Testpersonen Begriffe vorgespielt, die von einer neutralen oder einer wütenden Stimme gesprochen wurden. In Gehirn-Scans zeigte sich, dass bei der wütenden Stimme diejenige Hirnregion besonders stark aktiviert wurde, die für die Verarbeitung emotionaler Reize zuständig ist. Das geschah unabhängig davon, ob die Stimme männlich oder weiblich war. Die Stimmfärbung hat also große Signalwirkung. Diese Aktivierung blieb jedoch komplett aus, wenn die Probanden während des Hörens zusätzlich auf visuelle Reize achten sollten.
Straubes Erklärung für dieses Phänomen: „Die automatische Verarbeitung emotionaler Reize stößt ab einer gewissen Informationsmenge an ihre Grenzen. Ist diese Kapazitätsgrenze erreicht, haben die visuellen Reize Priorität.” Der Wissenschaftler empfiehlt daher Paaren, in Situationen wie der oben geschilderten einfach abzuwarten. Sobald zum Beispiel das Fußballspiel vorbei sei, könne der Partner aufmerksam zuhören. Straubes Wort in Gottes Ohr.





