Live-Messung von Zustimmung oder Ablehnung
Brettschneider und sein Team haben bei den letzten beiden Bundestagswahlen gezielt die Wahrnehmungen und die Wirkungen von TV-Duellen untersucht. Das Kernstück der Untersuchungen bildete eine Live-Messung mit 220 Probanden. Sie drückten während des Betrachtens des TV-Duells mittels Drehreglern ihre Zustimmung oder Ablehnung aus. So konnten die Forscher erfassen, welcher Kandidat von welchen Personengruppen wie bewertet wurde. Abgerundet wurde die Untersuchung durch eine Befragung der Zuschauer direkt vor und nach dem TV-Duell.
Brettschneider zufolge zeichnete sich ab, wie die Wirkung des Duells vom Verlauf und von den Voreinstellungen der Zuschauer abhängt: “Diejenigen Zuschauer, die parteipolitisch weitgehend festgelegt sind, ändern ihre Meinung aufgrund des TV-Duells in der Regel nicht. Im Gegenteil: Sie nehmen das Geschehen durch ihre parteipolitische Brille wahr und werden in ihren Auffassungen sogar noch bestärkt”, sagt Brettschneider. Stärker lassen sich hingegen offenbar die unentschiedenen Wähler beeinflusst: “Sie orientieren sich in erster Linie an der wahrgenommenen Problemlösungskompetenz der Kandidaten sowie an deren Führungsstärke und an ihrer Vertrauenswürdigkeit. Bei einem knappen Wahlausgang kann ein TV-Duell durchaus die Wahl entscheiden – wie viele andere Faktoren auch”, so Brettschneider.
Welche Aussagen zeigen Effekt?
Welche Debatten-Aussagen besonders effektiv sind, konnten die Forscher ebenfalls erkennen. “Allgemeine, wertbezogene Aussagen sowie emotionale Appelle der Debatten-Teilnehmer lösen bei den Zuschauern über die Parteigrenzen hinweg die größte Zustimmung aus”, sagt Brettschneider. Das Gleiche gilt ihm zufolge für fast banal wirkende Aussagen wie “Leistung muss sich lohnen” oder “Bildung darf nicht von der Herkunft abhängen”. Was Angriffe auf den politischen Gegner betrifft, können sie sich zwar günstig auswirken, sind aber offenbar durchaus heikel: “Eine Angriffsstrategie kann sich auch gegen den Angreifenden selbst wenden – wenn er überzieht”, so Brettschneider.
“Nicht sehr viel Überraschendes” erwartet er sich nun vom bevorstehenden TV-Duell: “Angela Merkel kennen wir ja schon sehr gut. Wir wissen, wie sie sich in TV-Duellen verhält und auf welche Themen sie setzen wird.” Ein heftiger Schlagabtausch zeichnet sich auch nicht ab: “Merkel und Schulz können bei ihrem Duell kaum fundamentale Kritik aneinander üben, weil sie beide aus der Großen Koalition kommen”, meint Brettschneider.
Forscher untersuchen Emotionen im TV-Duell
Im Gegensatz zu den Untersuchungen in Hohenheim, stand die Mimik und Sprechweise beim TV-Duell im Fokus eines Forscherteams der Universität Halle-Wittenberg. Mit Hilfe von moderner Software zur Gesichtserkennung und Stimmauswertung haben sie diese Aspekte beim letzten TV-Duell zwischen Angela Merkel und Peer Steinbrück von 2013 untersucht und ihre Ergebnisse nun präsentiert.





