Die meisten Paläoanthropologen sind sich einig: Die Wiege des Homo sapiens stand in Afrika. Vom Schwarzen Kontinent machte sich der Mensch vor rund 100 000 Jahren auf, die Welt zu erobern. Dort traf er auf archaische Frühmenschen, die er „ersetzte”, ohne sich mit ihnen zu paaren. Doch neue Erkenntnisse könnten den Anhängern dieser Out-of-Africa-Theorie einen dicken Strich durch die Rechnung machen. Dabei geht es um den Schädel eines weiblichen Wesens, das vor 1000000 bis 800 000 Jahren auf der indonesischen Insel Java gelebt hat. Das Fossil wird zur Zeit von Wissenschaftlern des American Museum of Natural History untersucht. Ihrem Alter zufolge müßte die Frau – inzwischen SM3 getauft – zur Spezies Homo erectus gerechnet werden. Aber: Der Schädel hat zwar die für diese Art typischen Überaugenwülste, jedoch gleichzeitig eine hohe, breite Stirn wie Homo sapiens. Eine solche Übergangsform zwischen Homo erectus und Homo sapiens paßt aber nicht zur Out-of-Africa-Theorie. Die sogenannten Multiregionalisten sehen sich jetzt bestätigt. Sie sagen, daß Hominiden schon vor zwei Millionen Jahren Afrika verließen und sich an verschiedenen Orten der Welt parallel zu Homo sapiens entwickelten.




