Die französische Schriftstellerin beschreibt die gegensätzlichen Emotionen bei der Organtransplantation sehr treffend, etwa die Trauer bei den Angehörigen des Spenders und die Hoffnung beim Empfänger. Maylis de Kerangal hat dafür ausgiebig vor Ort recherchiert – sicher und überzeugend fängt sie die Atmosphäre der Intensivstation, der Besprechungszimmer und des Operationssaals ein. Und sie kennt die kryptische Ausdrucksweise der Mediziner, die von „HLA-Kompatibilität” zwischen Spender und Empfänger sprechen und damit das Problem meinen, ob sich die Gewebe vertragen. Aber sie verwendet das medizinische Wissen sparsam dosiert, oft als bloßes Atmosphäre stiftendes Detail. Ihr Buch ist zu allererst eine packende literarische Reportage.





