Es ist schon ein Kunststück, ein langweiliges Buch über ein so spannendes Thema wie den Tod durch psychische Ursachen zu schreiben. Der Züricher Psychoanalytiker und promovierte Physiker Gary Bruno Schmid hat es geschafft. Das liegt nicht an einem Mangel an dramatischen Todesfällen, sondern am Overkill: Die Leute sterben reihenweise. Weil einer trotz Stammestabu ein wildes Huhn verspeist hat. Weil der Priester mit der Letzten Ölung da war. Weil die böse Hebamme den Tod vorausgesagt hat. Zwei US-Präsidenten war angeblich sogar der 50. Jahrestag der von ihnen einst unterzeichneten Unabhängigkeitserklärung genug Anlaß zum Entschlafen. Und selbst Ochsen sollen nach dem Abschied eines altgewohnten Joch-Bruders „in Trauer langsam dahinscheiden”. Solche Anekdoten hat Schmid kritiklos zusammengeschrieben, wobei er nach eigenem Bekunden „vor allem die ältere medizinische Literatur als Quelle benutzt” und sich „vor jedem Zwang zum Aktualismus gehütet” hat. Was die moderne Medizin zu den Ursachen solcher Phänomene sagen könnte, ist ihm denn auch ziemlich egal. Viel lieber ergeht er sich in parapsychologischen Spekulationen. Schuld am psychogenen Tod sei womöglich ein „ Quanten-Teleportation-Phänomen” namens „Ferndenken in lebenden Systemen”. Da bleibt nur ein Geheimnis ungelöst: Warum ist das Buch nicht bei einem Esoterik-Verlag erschienen, sondern im renommierten Haus Springer?
Gary Bruno Schmid TOD DURCH VORSTELLUNGSKRAFT Das Geheimnis psychogener Todesfälle Springer Wien, New York 2000 277 S., DM 68,00
Gary Bruno Schmid / Jochen Paulus




