Krebszellen sind für den Patienten eine unheimliche Bedrohung und für den Gesunden etwas, worüber er nicht gerne nachdenkt. Für den Biologen sind sie faszinierend – denn sie sind Wachstums- und Überlebenskünstler.
Manfred Reitz, forschungserfahrener Biologe und erfolgreicher Wissenschaftsautor, vermittelt dem Leser diese Faszination. Er beschreibt im Detail, wie in einer normalen Körperzelle unter dem Einfluss krebsauslösender Faktoren – wobei das Rauchen an erster Stelle steht – Fehler im Genom entstehen: „Normale Zellen zeigen immer die Tendenz, untereinander in Wechselbeziehung zu treten und ihr Wachstum durch Zellkontakte zu regulieren. Für Krebszellen gilt dagegen das feine Netz der Zellkooperationen nicht. (…) Die Krebszelle ist gegenüber den normalen Zellen taub und stumm.”
Von einem Bestandteil des Körpers wird sie zu einem „Parasiten” , der „wächst, um zu wachsen”, einem „totalen Egoisten”, der schließlich sogar seinen Wirt umbringt. Erfolgreiche Krebszellen vermehren sich nicht nur ungebremst, sondern sie durchlaufen dabei auch eine eigene Evolution, bei der sie immer aggressiver werden.
Doch zum Glück ist unser Körper nicht wehrlos. Ausgefuchste Reparaturmechanismen – besonders eindrucksvoll das p-53-Protein, der „Hüter des Genoms” – bringen meist Ordnung ins Chaos, wenn die DNA beschädigt ist. Und später greift die Immunabwehr oft erfolgreich ein. So entstehen im Laufe eines normalen Menschenlebens zwar rund eine Million Krebszellen, doch die große Mehrheit bleibt wirkungslos. Das ist eigentlich ein Wunder, betont Manfred Reitz. Judith Rauch
Manfred Reitz DIE CHAOS-ZELLEN Hirzel, Stuttgart 2006 220 S., € 19,80 ISBN 978-3-7776-1433-5




