Zum Inhalt springen
Bild der Wissenschaft
AnmeldenAbonnieren
  • Astronomie & Physik
  • Erde & Umwelt
  • Archäologie
  • Gesundheit & Medizin
  • Technik & Digitales
  • Gesellschaft & Psychologie
  • Shop
  • Rezensionen
  • Podcast
  • BDW Plus
Bild der Wissenschaft
  • Astronomie & Physik
  • Erde & Umwelt
  • Archäologie
  • Gesundheit & Medizin
  • Technik & Digitales
  • Gesellschaft & Psychologie
  • Kolumnen
  • Nachgefragt
  • Rezensionen
  • Podcast
  • Lexikon
Wissenschaft-Newsletter
Die wichtigsten Entdeckungen der Woche direkt in Ihr Postfach.

Leserservice

  • Probeabo
  • BILD DER WISSENSCHAFT Marktplatz

Hefte

  • Sonderhefte
  • Einzelhefte

Unsere Partner

  • Fraunhofer IPA
  • Leibniz-Institut ifl
  • wissen.de
  • ScienceBlogs
  • experimenta
  • Wissenschaftspodcasts

Info

  • AGB
  • Mediadaten
  • Impressum
  • Datenschutz
  • Barrierefreiheit
  • Vertrag widerrufen
BILD DER WISSENSCHAFTErnst-Mey-Str. 8
70771 Leinfelden-Echterdingen

Abonnement & LeserserviceE-Mail: leserservice@konradin.de
Tel: +49 (0)711 82651-201
RedaktionE-Mail: wissenschaft@konradin.de
Tel: +49 (0)711 7594-392
Folgen Sie uns
Bild der Wissenschaft als bevorzugte Quelle bei Google einrichtenAuf Google merken →
Konradin Mediengruppedamals.denatur.de
© 2026 Bild der Wissenschaft
Warenkorb

Dein Warenkorb ist leer.

Startseite/Archäologie/Artikel
Tödliche Pestausbrüche schon vor 5500 Jahren
Archäologie

Tödliche Pestausbrüche schon vor 5500 Jahren

Dieser etwa elfjährige Junge war an der Pest erkrankt, wie Analysen der alten bakteriellen DNA enthüllen. · Foto: © Vladimiri Bazaliiskii

Schon vor rund 5500 Jahren erkrankten steinzeitliche Jäger und Sammler an der Pest. Das zeigen Analysen alter DNA aus Gräbern am Baikalsee in Sibirien. 18 von 46 der dort bestatteten Menschen starben offenbar an der Pest – in vielen Fällen waren es Kinder. Demnach war der Pesterreger bereits damals hochgradig virulent und wurde wahrscheinlich von Mensch zu Mensch übertragen.
Autor
Elena Bernard
17. Juni 2026
Lesezeit
3 Minuten
Rubrik
Archäologie

Die Pest verbinden wir heute üblicherweise mit verheerenden Ausbrüchen im Mittelalter, als der Erreger in überfüllten Städten durch Flöhe und Kleiderläuse übertragen wurde und große Teile der Bevölkerung das Leben kostete. Doch die Geschichte der Pest reicht viel weiter in die Vergangenheit zurück. Unklar ist allerdings, seit wann der verantwortliche Erreger Yersinia pestis dazu in der Lage ist, schwere Erkrankungen bei Menschen auszulösen. Zumindest die Virulenzfaktoren, die zur Entstehung der Beulenpest führen, entwickelten sich Studien zufolge erst vor etwa 3.800 Jahren.

Übertragung von Mensch zu Mensch

Nun belegen Funde aus Ostsibirien, dass Menschen schon vor 5500 Jahren an der Pest erkrankten und starben. Ein Team um Ruairidh Macleod von der Universität Kopenhagen hat alte DNA aus menschlichen Überresten analysiert, die in Grabstätten in der Region des Baikalsees in Ostsibirien gefunden wurden. Dabei rekonstruierten die Forschenden auch uralte Bakteriengenome, die im Zahnzement der Verstorbenen erhalten geblieben waren. „Bei 18 von 46 Personen wiesen wir den Erreger Yersinia pestis nach“, berichtet das Team. Die Nachweisrate liegt damit höher als bei typischen mittelalterlichen Pestgräbern.

Viele der infizierten Personen sind den Analysen zufolge kurz nacheinander gestorben und wurden gemeinsam bestattet. „Durch die Rekonstruktion von Verwandtschaftsstammbäumen stellten wir fest, dass kleine Familiengruppen betroffen waren, was mit einer Übertragung der Krankheit von Mensch zu Mensch übereinstimmt“, so die Forschenden. „Die Infektionen scheinen zu einer akuten Sterblichkeit geführt zu haben, insbesondere bei Kindern im Alter von acht bis elf Jahren.“ Die gleichzeitigen Infektionen unter Verwandten, die anschließend gemeinsam bestattet wurden, eröffnen zudem einen Einblick in die soziale Dimension: Offenbar kümmerten sich die Menschen um ihre Kranken und Toten – und steckten sich dabei an.

Verheerende Wirkung durch ein Superantigen

Nähere Analysen des damals ursächlichen Peststamms ergaben, dass dieser zwar noch nicht die später bekannten Virulenzfaktoren trug, dafür aber ein zuvor unbekanntes Superantigen – also einen genetischen Faktor, der für die Produktion von Giftstoffen sorgt und überschießende Immunreaktionen ausgelöst haben könnte. Gerade bei Kindern könnte das zu Enztzündungen und tödlichen Komplikationen geführt haben.

„Diese Erkenntnis verändert unser Verständnis der frühesten Pestausbrüche“, sagt Macleods Kollege Martin Sikora. „Noch bevor das Bakterium eine effiziente Übertragung durch Flöhe entwickelt hatte, scheinen diese alten Stämme eine wirkungsvolle Kombination von Virulenzfaktoren in sich getragen zu haben, die eine Infektion hochgradig tödlich machen konnten.“

Die Forschenden gehen davon aus, dass die steinzeitliche Pest wahrscheinlich zoonotisch von wilden Murmeltieren auf die damaligen Jäger und Sammler übertragen wurde. Bis heute sind Murmeltiere in der Region rund um den Baikalsee ein wichtiges Reservoir des Pesterregers. Fossilien belegen, dass diese großen Nagetiere bereits damals von Menschen gejagt und verzehrt wurden.

Pest-Ausbrüche kamen nicht erst mit der Sesshaftigkeit

Der Nachweis dieses steinzeitlichen Pest-Ausbruchs zeigt zudem, dass es solche Epidemien auch schon vor der Ära der Sesshaftigkeit und Landwirtschaft gab. „Dass diese Ausbrüche in relativ kleinen, mobilen prähistorischen Jäger- und Sammlergruppen auftraten, unterstreicht, dass eine erhöhte Bevölkerungsdichte, die Domestizierung von Tieren und Lebensstiländerungen infolge des Übergangs zur Jungsteinzeit keine notwendigen Voraussetzungen für bedeutende zoonotische Ausbrüche sind“, schreiben Macleod und seine Kollegen.

Aus Sicht der Forschenden sind ihre Ergebnisse nicht nur historisch bedeutsam, sondern auch epidemiologisch. „75 Prozent der neuauftretenden menschlichen Krankheitserreger stammen von Tieren“, so das Team. „Einblicke in die Evolutionsgeschichte von Krankheitserregern über Zeiträume erheblicher demografischer und technologischer Veränderungen hinweg können Daten liefern, um die großen Herausforderungen, denen die Menschheit derzeit gegenübersteht in einen Kontext zu setzen –beispielsweise die durch den Klimawandel bedingte Störung ökologischer Nischen weltweit.“

Quelle: Ruairidh Macleod (Universität Kopenhagen, Dänemark) et al., Nature, doi: 10.1038/s41586-026-10540-5

aDNAPestYersiniaZoonose
Bevorzugte Quelle bei Google

Möchten Sie Bild der Wissenschaft in Ihren Google-Suchergebnissen bevorzugt sehen? Ein Klick genügt.

Bild der Wissenschaft als bevorzugte Quelle festlegen →

Mehr aus Archäologie

Weitere aktuelle Artikel aus der Rubrik Archäologie.

Alle Archäologie-Artikel
Tschechien: 6500 Jahre altes Steinzeit-Heiligtum entdeckt
Archäologie

Tschechien: 6500 Jahre altes Steinzeit-Heiligtum entdeckt

28. August 2026

Archäologen haben in Tschechien ein 6500 Jahre altes Steinzeit-Heiligtum entdeckt. Die Kreisanlage ist 230 Meter groß und nach Sonne und Mond ausgerichtet.

Mit Sichel und Fußfessel gegen eine Untote
BDW PlusArchäologie

Mit Sichel und Fußfessel gegen eine Untote

27. August 2026

Eine vor rund 400 Jahren in Polen bestattete junge Frau galt offenbar als Untote, wie eine Sichel über ihrer Kehle und ein Schloss am Fuß nahelegen.

Der „Fluch der Mumie“ wirkt noch heute
Archäologie

Der „Fluch der Mumie“ wirkt noch heute

18. August 2026

Mumien können gefährliche Pilze, Mikroben oder Schwermetalle enthalten. Dennoch werden Mumienteile heute ohne große Schutzmaßnahmen illegal online gehandelt.

Konstanz: Mittelalterliches Schiff in Kellerdecke entdeckt
Archäologie

Konstanz: Mittelalterliches Schiff in Kellerdecke entdeckt

17. August 2026

Überraschung im Souterrain: In einem Konstanzer Keller haben Archäologen einen fast vollständigen mittelalterlichen Schiffsrumpf mit Bohlen, Planken und…

← Zurück zu ArchäologieZur Startseite