Die Krankheit Magersucht hat schwerwiegende gesundheitliche Folgen: Der dauerhafte Kalziummangel führt zu Zahn- und Skelettschäden. Der Stoffwechsel verlangsamt sich – niedriger Blutdruck, niedrige Körpertemperatur mit ständigem Frieren sind das Resultat. Der Hormonhaushalt wird empfindlich gestört, weil die Fettzellen fehlen, in denen normalerweise Östrogene gebildet werden. Es kommt zu trockener Haut, gesplisstem Haar, Haarausfall, und die Regelblutung bleibt aus. Magersüchtige haben zudem kaum Interesse an Sex. Manche entwickeln Lanugo, eine feine, flaumige Hautbehaarung, nicht selten kommen Schwielen und Warzen oder Ödeme an Händen und Füßen vor.
Das Hungern führt zu Unruhe und Depressionen. Magen und Darm können in Mitleidenschaft gezogen werden, das Blut-Cholesterin steigt.
Einige Beschwerden bilden sich nach der Heilung mit der Gewichtsstabilisierung zurück, andere bleiben jedoch. Manche therapierte Patienten müssen beispielsweise zur Dialyse, andere haben eine schwere Osteoporose entwickelt.
Auch wird diskutiert, ob „biologische Narben” im Gehirn verbleiben. Schließlich muss das Organ lange Zeit ohne den Botenstoff Östrogen auskommen, der wichtig für die Gehirnentwicklung ist. Mehrere Studien haben einen Rückgang der Gehirnmasse nachgewiesen. Zudem schnitten ehemals Magersüchtige bei sprachlichen, mathematischen und Gedächtnis-Tests schlechter ab als Gesunde. Und: Bei Geheilten treten häufiger psychische Störungen wie Depressionen, Zwangserkrankungen und Borderline-Störung auf – möglicherweise auch eine Folge des langen Darbens. Wer immer weiter an Gewicht verliert, dem fehlt es schließlich an Flüssigkeit und wichtigen Elektrolyten, was zu Herzrhythmusstörungen und Nierenschäden führen kann. Auch andere innere Organe sind bedroht. Die Betroffenen sterben an Herzversagen, Infektionen oder nehmen sich das Leben. 15 bis 20 Prozent der Erkrankten sterben – das ist die höchste Mortalität bei psychischen Erkrankungen.




