Neulich musste ich für meine Firma zwei Tage nach Braunschweig fahren. Nur wenige Kilometer von dort entfernt liegt Wolfenbüttel, wo meine Tante Rosa wohnt. Bei jedem Familientreffen der letzten Jahre hatte ich ihr versprochen, sie zu besuchen. Tante Rosa ist die älteste Schwester meiner Mutter und eine unverheiratete pensionierte Deutsch- und Lateinlehrerin, die in unserer Familie als etwas sonderlich gilt. Sie wohnt mitten in der Altstadt im dritten Stock eines krummen Fachwerkhauses. „Es wurde ja auch Zeit, dass du dich hier einmal blicken lässt”, begrüßte mich meine Tante barsch, als ich atemlos vom Treppensteigen vor ihrer Tür stand. „Du hast sicher Hunger. Setz’ dich ins Wohnzimmer. Ich mache dir eine Portion Bratkartoffeln.” Meinen Einwand, dass ich vor einer halben Stunde bereits zu Abend gegessen hätte, wischte sie mit einem energischen „Papperlapapp!” vom Tisch. Tante Rosa verschwand in der Küche, und ich sah mich ein wenig in ihrer Wohnung um. Die Möbel und Teppiche waren uralt. In allen Räumen standen Regale, die bis zur Decke reichten und mit Büchern voll gestopft waren. Seltsamerweise hingen überall in der Wohnung Kalender an den Wänden – große und kleine, schmale und breite, bunte und einfarbige, kitschige und kunstvolle. Über ihr Sofa hatte Tante Rosa einen Kalender mit Fotos von modisch frisierten Pudeln neben einen Kalender mit Kunstdrucken von Franz Marcs Tierbildern gehängt. Im Flur gab es eine ganze Galerie von Werbekalendern der Wolfenbütteler Bäckereien und Apotheken, und über dem Spülkasten der Toilette hing ein Kalender der Heilsarmee neben einem mit Motiven aus dem Kamasutra. Die meisten Kalender hatten ein Blatt für jeden Monat, doch es gab auch welche mit einem Blatt pro Woche. Allen war gemeinsam, dass ihre Blätter nicht abgerissen, sondern nur umgeklappt wurden. Seltsamerweise waren fast alle Kalender von 1998 und nur ganz wenige von 2009. Während ich meine Bratkartoffeln aß, sprach ich Tante Rosa auf ihre Kalendersammlung an. „Ich bewahre alle meine Kalender auf, weil sie so schön sind”, erklärte sie. „Irgendwann passen sie auch einmal für ein anderes Jahr, und dann hänge ich sie wieder auf.” Ich nahm einen ihrer Kalender von 1998 von der Wand und verglich ihn mit meinem Taschenkalender von 2009. Tatsächlich fiel 1998 jedes Datum auf den gleichen Wochentag wie 2009. „Das scheint ja zu stimmen”, sagte ich. „Aber die Feiertage werden nicht richtig liegen.” „Da irrst du dich, mein Junge!”, widersprach Tante Rosa energisch. Ich überprüfte es. Sie hatte tatsächlich recht: In beiden Jahren fiel Ostern auf den 12. April und der erste Advent auf den 29. November. Auch alle anderen Feiertage stimmten überein. „Wie viele verschiedene Kalender gibt es denn überhaupt?” , fragte ich, aber das wusste Tante Rosa nicht. Angenommen, der Gregorianische Kalender bliebe unverändert gültig, und es würden keine Feiertage gestrichen, keine hinzugefügt und auch keine Feiertagsregeln verändert: Wie viele verschiedene Kalender würde es dann geben?
So machen Sie diesen Monat mit
Teilnehmen kann jeder, außer den Mitarbeitern des Verlags und deren Angehörigen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Schicken Sie bitte Ihre Lösung (ausschließlich!) auf einer Postkarte bis zum 31. Januar 2009 an:
bild der wissenschaft, Kennwort „Cogito 01|09″
Ernst-Mey-Str. 8, 70771 Leinfelden-Echterdingen
Die Lösung und die Namen der Gewinner werden im April-Heft 2009 auf der Leserbrief-Seite veröffentlicht.
Zu gewinnen
Unter den Einsendern der richtigen Lösung werden ein Hauptgewinn und fünf Bücher ausgelost. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Hauptgewinn ist das Monokular MiniQuick 5 x 10 T* von Zeiss in einer Weichledertasche. Es hat eine fünffache Vergrößerung, ist extrem leicht (23 Gramm), kompakt (nur 11,3 Zentimeter lang), spritzwasserdicht und lässt sich wie ein Füllfederhalter problemlos überallhin mitnehmen. Mehr Informationen unter: www.zeiss.de. Buchpreis ist „Der Quantenkosmos” von Claus Kiefer. Der Physik-Professor an der Universität Köln, einer der führende Experten auf dem Gebiet der Quantengravitation, beschreibt die faszinierenden Forschungen der modernen Kosmologie und Grundlagenphysik gut nachvollziehbar und kurzweilig – von der zeitlosen Welt zum expandierenden Universum. Er stellt die ominösen Schwarzen Löcher vor, die geheimnisvolle Dunkle Energie, Superstrings, Extradimensionen, die Pfeile der Zeit und die spannende Suche nach einer „Weltformel”. Mehr dazu unter: www.fischerverlage.de




