Die leistungsfähigste Digitalkamera der Welt wurde von einem internationalen Astrophysiker-Team in Betrieb genommen. Sie soll helfen, eines der größten Rätsel der Kosmologie zu lösen: Was verbirgt sich hinter der ominösen Dunklen Energie, durch die sich die Ausdehnung des Weltraums seit sechs Milliarden Jahren zu beschleunigen scheint (bild der wissenschaft 4/2010, „Weltall in der Schockstarre”)? Um die konkurrierenden Erklärungen zu testen, sind mehr und präzisere Messdaten nötig, als es bislang gibt.
Solche Daten wird die Dark Energy Camera liefern, die im September ihren Testbetrieb begann und im Dezember mit einer systematischen Himmelsdurchmusterung anfangen wird. Sie wurde im Lauf von acht Jahren am Fermi National Accelerator Laboratory im US-amerikanischen Batavia, Illinois, gebaut. Nun ist sie am 4-Meter-Blanco-Teleskop des Cerro-Tololo Inter-American Observatory im Einsatz. Mit jedem Schnappschuss wird sie über 100 000 Galaxien in bis zu acht Milliarden Lichtjahren Entfernung ablichten. Die Kamera ist das Herzstück des nun anlaufenden Dark Energy Survey (DES). Damit wollen Astronomen innerhalb von fünf Jahren bis zu 300 Millionen Galaxien, 100 000 Galaxienhaufen und 4000 Supernovae beobachten. Nebenbei werden sie sicher auch viele neue Planetoiden im Sonnensystem entdecken.
Am DES sind Wissenschaftler und Techniker von drei Kontinenten beteiligt, darunter auch einige Forscher des Exzellenzclusters „ Origin and Structure of the Universe” in München sowie der Universitäten dort. Dazu gehören Joseph Mohr, der das Projekt 2003 mitinitiierte, und Jochen Weller, Leiter einer der beiden Arbeitsgruppen für die Kombination und theoretische Interpretation der DES-Daten.
„Das Besondere am Dark Energy Survey ist der Versuch, der Dunklen Energie mit verschiedenen Methoden auf die Spur zu kommen” , sagt Weller. „Da ist einmal die Vermessung des Wachstums der großräumigen Strukturen mithilfe des Gravitationslinseneffekts der Dunklen Materie. Außerdem wird die statistische Verteilung der Galaxien vermessen, die eine sehr genaue Charakterisierung der Geometrie des Universums erlaubt. Und schließlich wird die Verteilung von Galaxienhaufen und Supernovae beobachtet.”
Redaktion: Hans Groth, nachrichten@bild-der-wissenschaft.de




