Schon vor rund 30 Jahren entdeckten Forscher, dass bestimmte Kunststoffe Strom leiten können. Aus solchen Polymeren lassen sich unter anderem organische Leuchtdioden oder flache Folien-Batterien herstellen. Doch deren Fertigung ist bis heute schwierig. Zum Beispiel verändern die zur Herstellung der Geräte erforderlichen Katalysatoren die chemische Struktur der organischen Rohstoffe. Dieses Problem hat Fred Wudl von der University of California in Los Angeles jetzt mit seinem Forscherteam gelöst. Wudl erhitzte farblose Kristalle ohne Hilfsstoffe und erhielt nach wenigen Stunden ein so genanntes Polythiophen – einen der wichtigsten industriell genutzten leitfähigen Kunststoffe. Dabei änderte sich die Form des Ausgangsmaterials nicht, was auch das Geheimnis der ungewöhnlichen Reaktion ist: Die Kristalle bestehen aus Kohlenstoff-Doppelringen – einem Sechsring mit einem Sauerstoff- und einem Fünfring mit einem Schwefel-Atom. An jedem der Fünfringe hängen zwei Brom-Atome. Diese sorgen dafür, dass sich die einzelnen Doppelringe miteinander zu langen Ketten verknüpfen. Die dabei frei werdenden Brom-Atome bleiben im Kunststoff gebunden und machen ihn auf diese Weise elektrisch leitfähig.
Hans Groth




