Wellen gibt es genug an der über 36000 Kilometer langen Küste des australischen Kontinents. Jetzt hat ein australischer Ozeanograph eine Anlage entwickelt, die Brandungsenergie aus auflaufenden Wellen zur Stromgewinnung nutzt. Das Besondere: Mit Hilfe einer parabelförmigen künstlichen Bucht aus vorgefertigten Bauteilen werden die Wellen erhöht und fokussiert – ähnlich wie Schallwellen von einer Parabolantenne. Die gesamte Energie wird dabei auf einen einzigen Punkt konzentriert. “Zwei Meter hohe Wellen werden dadurch rund sechs Meter hoch”, sagt Tom Denniss, der seit sieben Jahren zusammen mit zwei Labors in Sydney an der Wasserkraftanlage tüftelt. Computersimulationen und Tests mit verkleinerten Modellen waren erfolgreich. Jetzt hat Denniss eine Firma gegründet und sucht nach Käufern für seine Erfindung.
In der Mitte der künstlichen Bucht, dort, wo die Wellen sich treffen, befindet sich eine längliche Kammer, die mit einer Turbine abschließt. Die Turbine wird angetrieben durch Luft, die durch die auflaufenden Wellen in der Kammer vor und zurück bewegt wird. Sensoren sorgen dafür, daß sich die Turbine nur in eine Richtung dreht.
“Die Energie, die jährlich an Küsten rund um den Erdball durch Brandung frei wird, entspricht mehr als der doppelten Menge des weltweiten Stromverbrauchs”, sagt Denniss. Schätzungen wie diese haben schon häufiger die Kreativität von Wissenschaftlern und Ingenieuren angeregt. Den wesentlichen Vorteil seines Entwurfs gegenüber früheren Anlagen sieht Denniss in den um den Faktor fünf bis zehn reduzierten Kosten für die Stromerzeugung.
Dazu trägt neben der künstlich angelegten Bucht eine neuartige Turbine bei: Sie hat einen drei- bis viermal höheren Wirkungsgrad als herkömmliche Turbinen für ähnliche Zwecke und bleibt auch bei schnellen Umdrehungen nicht stehen.
Eine einzige Anlage, bestehend aus einer 20 mal 40 Meter künstlichen Bucht, einer luftgefüllten Kammer und einer Turbine, könnte laut Denniss etwa 1000 Menschen Tag und Nacht mit Strom versorgen – ohne dabei das Treibhausgas Kohlendioxid zu erzeugen.
Noch ist Kohle in Australien die Hauptenergiequelle – große Vorkommen halten den Preis niedrig. Denniss’ Wellenenergie könnte da momentan noch nicht mithalten, läge aber mit 12 bis 18 Pfennig pro Kilowattstunde nur etwa ein Drittel über den Kosten für Strom aus Kohle.
“Die Preise für fossile Brennstoffe werden steigen”, ist Denniss überzeugt. Bis dahin sieht er seine Chance vor allem in kleinen Dörfern, die ihren Strom bisher durch Dieselgeneratoren erzeugen – zum Beispiel auf den unzähligen Inseln in Asien und im Pazifik. “Hier entsteht gerade ein enormer Markt für alternative Energiequellen”, meint Denniss. Asiatische Regierungen hätten deren Nutzen angesichts drohender Umweltkatastrophen erkannt.
Auch australische Orte haben Interesse angemeldet. Die beiden Ostküsten-Hafenstädte New-castle und Port Kembla planen bereits, jeweils eine Brandungs- anlage aufzustellen und zu betreiben.
Doris Schröder




