Auf Facebook und Co. bewerten die Algorithmen Beiträge nicht nach ihrem Wahrheitsgehalt, sondern danach, wie viel Aufmerksamkeit sie erzielen. In diesem System haben Falschinformationen leichtes Spiel: „Über Social-Media-Plattformen und digitale Netzwerke nutzt ein vielfältiges Geflecht aus Influencern, Bloggern und rechtsextremen Gruppen Algorithmen, die Sensationslust und Polarisierung belohnen, um Narrative zu verbreiten, die den menschengemachten Klimawandel leugnen“, erklären der Soziologe Anton Törnberg von der Universität Göteborg und der KI- und Social-Media-Forscher Petter Törnberg von der Universität Amsterdam. Dadurch erzielen die Klima-Falschinformationen eine hohe Reichweite und gelangen bis in den gesellschaftlichen Diskurs.
Wissenschaftliche Mimikry
„Bei Desinformation geht es nicht nur um falsche Fakten, sondern auch darum, wie diese Fakten aussehen und wirken“, erläutert Anton Törnberg. „In der heutigen digitalen Medienlandschaft werden Botschaften durch Bilder, Memes und visuelle Erzählungen verbreitet, die uns sofort beeinflussen, noch bevor wir Zeit zum Nachdenken haben. Wenn wir die ästhetische Logik hinter solchen Leugnungen des Klimawandels verstehen, können wir auch verstehen, warum sie so wirksam ist.“ Mit diesem Ziel haben die beiden Forschenden 17.848 Online-Beiträge analysiert, die zwischen 2010 und 2023 auf acht schwedischen Blogs und Websites erschienen sind, die für ihre Leugnung des menschengemachten Klimawandels bekannt sind. Mit maschineller Hilfe durchforsteten und kategorisierten sie nicht nur die Texte, sondern auch die Bilder der entsprechenden Beiträge.
Dabei stieß das Team auf ein deutliches Muster: Obwohl sich die entsprechenden Webseiten gegen den wissenschaftlichen Konsens richten, geben sie sich selbst einen wissenschaftlichen Anstrich, um glaubwürdig zu wirken. „Dies geschieht durch die Verwendung wissenschaftlicher Ästhetik mit Grafiken, Diagrammen und technischen Argumenten, oft begleitet von einer Rhetorik, die Neutralität und Objektivität signalisiert. Ein typisches Beispiel sind Beiträge, die eine Kurve der Kohlendioxidemissionen oder ein Satellitenbild der globalen Temperaturen zeigen“, beschreibt Anton Törnberg. „Das ist so etwas wie wissenschaftliche Mimikry. Das bedeutet, dass Klimaleugner die Autorität der wissenschaftlichen Gemeinschaft ablehnen, aber ihre Sprache, Form und visuelle Ästhetik kopieren, um Glaubwürdigkeit zu erlangen.“ Eine bewusst komplizierte, wissenschaftlich wirkende Sprache macht es für Laien zudem schwer, den Wahrheitsgehalt kritisch zu beurteilen.
Botschaft durch Bilder
Die Themen sind dabei vielfältig: Einige Beiträge zweifeln an, dass die Temperaturen überhaupt steigen, andere behaupten, die menschlichen CO2-Emissionen spielten dafür keine Rolle und wieder andere vertreten die Meinung, die Auswirkungen seien kein Problem. Zudem finden sich Fehlinformationen über Strategien zur Eindämmung des Klimawandels wie Wind- und Solarenergie sowie über prominente Klimaaktivisten wie Greta Thunberg. Die etablierte Klimawissenschaft, Klimaschutz und Klimaaktivismus werden dabei typischerweise diskreditiert und als korrumpiert, diktatorisch oder irrational dargestellt.





