Jetzt kommt die Anti-Raucher-Pille Zyban in Deutschland auf den Markt. Spektakuläre Resultate einer Studie am Zentrum für Tabakforschung in Madison, USA, schüren die Hoffnungen vieler Raucher weltweit, endgültig von ihrer Sucht loszukommen. In der Untersuchung erhielten 900 langjährige Raucher in den ersten neun Wochen ihres Entzugs entweder Zyban, ein Nikotinpflaster oder ein Placebo. Bei einem Drittel der Teilnehmer verhinderte die Pille den Griff zum Glimmstengel zumindest für ein Jahr. Von der Placebo- und der Nikotinpflaster-Gruppe dagegen ließen nur etwa 15 Prozent das Rauchen. Die Forscher schlossen aus der Studie: „ Zyban erleichtert den Ausstieg aus der Nikotin-Sucht.” Trotz der positiven Bilanz sind von Zyban keine Wunder zu erwarten. Denn immerhin zwei von drei Rauchern zogen bereits ein Jahr nach der Therapie wieder regelmäßig an der Zigarette. Und selbst dieses Resultat wird im Alltag wohl kaum erreicht, weil die Teilnahme an den Versuchen freiwillig war. Zudem mußten die Testpersonen jede Woche mit einem Atemtest beweisen, daß sie wirklich „clean” waren. Diesen Aufwand machen nur Hochmotivierte mit. „Beides könnte die Erfolgsquote verbessert haben”, geben die Studienleiter zu bedenken. Peter Lindinger vom Rauchertelefon des Deutschen Krebsforschungszentrums in Heidelberg beschreibt den Nutzen der Pille so: „Wer nicht unbedingt mit dem Rauchen aufhören möchte, der wird es auch mit der Anti-Raucher-Pille nicht schaffen. Wer es allerdings ernsthaft versucht, für den kann das Mittel eine wertvolle Hilfe sein.” Mit dem Rauchen aufhören möchten viele: Neun von zehn Rauchern haben schon mindestens einen Anlauf unternommen. Doch nur gerade zehn Prozent konnten zumindest über einige Monate vom Glimmstengel lassen, wie eine Untersuchung des Max-Planck-Instituts für Psychiatrie in München zeigte. Wie die Pille wirkt, wissen die Forscher noch nicht. Dabei ist deren Wirkstoff Bupropion (auch: Amfebutamon) in den USA bereits seit mehreren Jahren zugelassen. Die Wissenschaftler vermuten, daß Bupropion den Pegel von Botenstoffen im Gehirn normalisiert und dadurch das „Schmachten” nach einer Zigarette unterdrückt. Die Nebenwirkungen der Pille sind bekannt: Viele Studienteilnehmer klagten über Schlaflosigkeit, einige über Mundtrokkenheit und Kopfschmerzen. Für Diskussionsstoff sorgten zu Beginn dieses Jahres Berichte aus Kanada, wonach innerhalb eines Jahres 256 Zyban-Schlucker von Krampfanfällen oder allergischen Reaktionen berichteten. Doch Peter Lindinger ist unbesorgt. Immerhin seien in diesem Zeitraum über eine halbe Million Kanadier mit Zyban behandelt worden. „ Wenn alle so sensibel auf die Nebenwirkungen des Rauchens achten würden wie auf die Nebenwirkungen von Medikamenten, dann wären Entwöhnungspillen für Raucher überflüssig”, meint der Suchtexperte. „Immerhin sterben in Deutschland jedes Jahr 112 000 Menschen an den Folgen ihres Tabakkonsums.”
Ulrich Fricke




