Muttermilch ist ein echtes Superfood für Neugeborene: Der reichhaltige Cocktail an Proteinen, gesunden Fetten und Botenstoffen enthält Substanzen, die das Immunsystem des Kindes stärken, seine Darmflora in Schuss halten und seine Hirnentwicklung fördern. Ob und wie lange ein Kind gestillt wird, ist daher für seine spätere Gesundheit enorm wichtig. Gleichzeitig hat der Zeitpunkt des Abstillens aber auch Auswirkungen auf die Fortpflanzung: Stillt die Mutter früh ab, kann sie schneller wieder schwanger werden. Unter den Primaten ist der Mensch dabei eher ein Kurzstiller: Während viele Menschenaffen-Mütter ihren Nachwuchs mehrere Jahre lang stillen, bekommen menschliche Säuglinge in der Regel nur einige Monate bis ein Jahr Muttermilch – obwohl die Kindheit beim Menschen länger dauert als bei den meisten Menschenaffen.
Barium im Vormenschenzahn verrät Stillverhalten
Wann jedoch unsere Vorfahren begannen, ihre Kinder früher abzustillen und wie das Stillverhalten der Früh- und Vormenschen war, ist bislang kaum bekannt. “Wir tappen noch im Dunkeln, warum und wann unsere Vorfahren diesen Wandel vollzogen”, sagt Co-Autorin Christine Austin von der Icahn School of Medicine at Mount Sinai in New York. Einzig beim Neandertaler haben Zahnanalysen bereits enthüllt, dass unsere eiszeitlichen Vettern ihren Nachwuchs ähnlich kurz stillten wie Mütter heute. Jetzt haben Austin, Mit-Erstautor Renaud Joannes-Boyau von der Southern Cross University in Australien und ihre Kollegen erstmals auch das Stillverhalten des Australopithecus africanus rekonstruiert. Diese Vormenschenart lebte in der Zeit vor drei bis zwei Millionen Jahren im südlichen Afrika und ist für ihren besonders vielseitigen Speiseplan bekannt. Den benötigten diese Hominiden allerdings wohl auch, denn der Wechsel zwischen Regenzeit und Trockenzeit erforderte eine ständige Anpassung an das verfügbare Nahrungsangebot: “Er führte zu langen, sich abwechselnden Perioden mit reichhaltiger Nahrung und dann Nahrungsknappheit”, erklären Austin und ihr Team.
Um herauszufinden, wie intensiv und lange die Australopithecus-Mütter ihre Kinder unter diesen Bedingungen stillten, analysierten die Wissenschaftler Proben von zwei 2,6 bis 2,1 Millionen Jahre alten Australopithecus-Zähnen, die in der Nähe von Sterkfontein in Südafrika gefunden worden waren. “Die Mineralisation des Zahnschmelzes und Dentins geschieht schrittweise und speichert daher Informationen über frühkindliche chemische Einflüsse”, erklären die Forscher. Die Konzentration des Elements Barium in diesen “Jahresringen” des Zahns kann verraten, ob und wie lange ein Kind Muttermilch bekommen hat: “Die Bariumkonzentration steigt nach der Geburt mit der Absorption der Muttermilch an und sinkt dann während der Zeit des Abstillens allmählich wieder ab”, berichten Austin und ihre Kollegen.





