Afrikaexperten gelten als Exoten. Das sagt einer, der es wissen muss: Stefan Schmid ist geschäftsführender Leiter des „ Zentrums für interdisziplinäre Afrikaforschung” an der Universität Frankfurt am Main. „Wir wollen die oft isoliert arbeitenden Wissenschaftler in fächerübergreifende Projekte einbinden”, erklärt der 39-Jährige. Seit fast 200 Jahren wird in Frankfurt über Afrika geforscht, und nirgends ist das Themenspektrum so bunt wie hier: Es umfasst elf Forschungsbereiche – von der Archäologie bis zur Paläoanthropologie.
Schmid selbst hat zunächst Ethnologie an der Universität Heidelberg studiert. Dann wechselte er an die französische Université de Provence in Aix-en-Provence und forschte über die spezielle Geographie von Entwicklungsländern. Er konzentrierte sich besonders auf Naturschutzprojekte und deren Akzeptanz in der Bevölkerung – etwa in Madagaskar. Anschließend zog es ihn nach Burkina Faso, wo er – mittlerweile für die Schweizer Eidgenössische Technische Hochschule – mithilfe von Satellitenbildern die Vegetationsdynamik untersuchte. „Ich habe in einem katholischen Missionshaus gewohnt”, erzählt Schmidt, „ als eines Tages drei Geländewagen vorfuhren: Wissenschaftler der Universität Frankfurt – meine künftigen Arbeitgeber.”
Was ihn an Afrika fasziniert? Die herzlichen Menschen und die Natur, so die prompte Antwort. „Und ich habe noch nie einen nervösen Afrikaner gesehen.”
Hans Groth




