ank Tatort und CSI kennt sie jeder Fernsehzuschauer: Magi- sche Pülverchen, die TV-Kommissare mit bauschigen Pinseln am Tatort verstäuben, um eben noch unsichtbare Fingerabdrücke klar und deutlich erkennbar zu machen. Manch ein fiktiver Bösewicht wurde so schon überführt. Doch die Realität ernüchtert: „Die Erfolgsquote bei der Analyse von Fingerabdrücken beträgt nur etwa zehn Prozent”, sagt Rob Hillman, Professor für Physikalische Chemie an der britischen University of Leicester. Was tun, um diese magere Ausbeute zu steigern – ein neues Wunderpulver finden? Hillmans Antwort: „Nein, wir brauchen einen ganz neuen Ansatz.”
Die meisten Abdrücke sind unsichtbar
Die Mehrzahl der Fingerabdrücke, die die Polizei bei ihren Ermittlungen findet, ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Denn auf Anhieb sichtbare Fingerabdrücke – dafür sorgen die Täter – sind bei der Ankunft der Ermittler meist verwischt. Die Kriminaltechniker müssen daher alle verdächtigen Gegenstände und Oberflächen „abpudern”, um Spuren zu finden. An den Fingerabdrücken, die nichts anderes sind als Ablagerungen von Schweiß und Fett, bleiben die Substanzen haften.
Das Problem: Bevor die Ermittler sie finden, waren die Abdrücke oft über längere Zeit zerstörerischen Umwelteinflüssen wie Nässe oder Reibung ausgesetzt. Von den Spuren ist dann nicht mehr viel übrig – oft so wenig, dass das Pulver der Kriminaltechniker kaum noch daran haftet. Das Ergebnis ist ein nur unvollständiges Abbild eines Abdrucks, das zum Identifizieren des Täters unbrauchbar ist.
Rob Hillman und sein Team haben das Problem an der Wurzel gepackt: Wenn die Ablagerungen von den Rillen des Fingerabdrucks nicht reichen, dann müssen eben die Lücken dazwischen herhalten. Die füllen die Forscher mit einem fluoreszierenden Polymer. „Wir erhalten dadurch sozusagen ein Negativbild des Fingerabdrucks”, erklärt Hillman.
Elektrischer Strom, den die Forscher durch die untersuchte Probe schicken, sorgt für die Abscheidung des Polymers. Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass sich der Fingerabdruck auf einer leitfähigen Oberfläche befindet. Bei einem Verbrechen könnte das beispielsweise eine metallische Tatwaffe wie ein Messer oder eine Pistole sein. Weil das Fett des Abdrucks elektrisch isoliert, haftet das Polymer nur in den Zwischenräumen. Schon Reste von wenigen Nanometern Dicke verhindern das Deponieren des Polymers und liefern somit ein klares Bild des Fingerabdrucks.
Das neue Verfahren ist unkompliziert und kostengünstig – und damit gut geeignet für schnelle Analysen im Polizeilabor. „Tatort” und „CSI” lassen grüßen. •
von Stephanie Kappes




