Antimaterie entsteht sogar bei einem ganz normalen Gewitter. 1994 hatte das Compton Gamma-Ray Observatorium der NASA, das eigentlich den Himmel nach Gammastrahlen absuchte, erstmals Terrestrische Gammastrahlen-Flashs (TGFs) gemessen. Sie dauern nur 0,2 bis 3,5 Millisekunden und haben Energien bis zu 20 Megaelektronenvolt. Jeden Tag toben etwa 500 davon in der Erdatmosphäre. Ihre Ursache war lange unklar. Nun maß das Fermi-Gammastrahlen-Observatorium der NASA zusätzlich Gammastrahlen mit einer Energie von 511 Kiloelektronenvolt. Das ist genau die Energie, die frei wird, wenn Positronen durch Elektronen vernichtet werden. Die Positronen waren anscheinend bei Gewittern entstanden und dann ins All geschleudert worden, wo einige von ihnen Fermi in seiner 550 Kilometer hohen Umlaufbahn getroffen haben. Ein Ereignis vom 14. Dezember 2009 über der ägyptischen Sahara konnte eindeutig mit einem 4000 Kilometer entfernten Gewitter über Sambia korreliert werden – die Positronen waren wohl entlang einer Magnetfeldlinie geflogen. „ Die von Fermi registrierten Signale sind das erste direkte Indiz dafür, dass Gewitter Antimaterie-Teilchenstrahlen erzeugen können” , sagt Michael Briggs vom Fermi-Team an der University of Alabama in Huntsville. Die Physiker nehmen an, dass die Gammastrahlen von Elektronen ausgesandt werden, die bei den hohen elektrischen Feldstärken frei werden. Es sind dieselben Elektronen, die auch die Blitze erschaffen und mit Molekülen in der Erdatmosphäre wechselwirken. Passiert ein Gammaquant einen Atomkern in der Atmosphäre, wandelt es sich in ein Elektron und ein Positron um.




