„Mit jeder Generation kommen neue Begriffe in den Wörterpool, dafür erhalten alte eine andere Bedeutung oder sterben aus”, erklärt die 70-jährige Sprachforscherin Sally Thomason von der University of Michigan Ann Arbor. Die Präsidentin des Verbands der amerikanischen Linguisten untersucht seit Jahren, wie sich Sprachen verändern. Zu ihrer Schulzeit brachte man seine Begeisterung mit „swell” zum Ausdruck, amerikanische Teenager können damit heute gar nichts mehr anfangen. Sie sagen stattdessen „cool” oder „dead”. Zudem haben sie jüngst das für Vergleiche benutzte „like” („She runs like the wind”) zum Betonungsmittel erkoren. Wer etwa garantiert nicht zu einer Feier kommen möchte, sagt neuerdings: „I will so not like go to the party”.
„Sprache ist das einfachste und effektivste Mittel, um sich zu definieren und sich abzugrenzen”, weiß die Linguistin. Das gilt nicht nur für Teenager. Um seine Eigenständigkeit zu demonstrieren, erklärte ein Stamm in Papua-Neuguinea, der immerhin zehn Prozent der Bevölkerung dort ausmacht, alle bisherigen weiblichen Artikel und Adjektivendungen zu männlichen und umgekehrt. Ähnliches hatte die sozialistische Regierung in Schweden in den 1960er-Jahren im Sinn. Sie schaffte mit der Du-Reform die Höflichkeitsform in der Anrede ab und erteilte somit dem konservativen Establishment eine Abfuhr. „Oft wird Sprache einfach nur simpler”, meint Thomason. Japaner sagen heute zu „essen können” tabereru statt taberareru. Diese Buchstabendiät gilt auch für andere auf -ru endende Verben, die man auf Japanisch „können” möchte. Die Niederländer haben das Wort „ Mensch” zu „mens” reduziert und einigten sich, ähnlich wie die Engländer, auf nur einen Artikel.
Zudem gibt es dank des technischen Fortschritts einen Haufen neue Verben im Englischen, wie to google (etwas im Internet suchen), to xerox (etwas fotokopieren) oder to friend (sich mit jemandem in einem sozialen Netzwerk wie „Facebook” anfreunden). DK





