„Das Böse ist kein Anlass für schlaflose Nächte”, stellt Terry Eagleton lakonisch fest. Eigentlich sei das Böse nämlich „ spießig, kitschig und banal”. Scharfsinnig untersucht der Professor für Kultur- und Literaturtheorie die Frage: „Was ist das Böse, und wozu ist es gut?”
Anhand von Romanen, Theaterstücken und philosophischen Klassikern zeigt er, wieso das Böse die Menschen fasziniert. Seine Gedanken zu Schuld, Erbsünde, Tod und Hölle verblüffen und regen zum Nachdenken an. So stellt sich Eagleton die Hölle nicht als „Schauplatz unaussprechlicher Obszönitäten” vor, sondern als „ Ort, wo wir von einem Mann im Anorak in jedes Detail des Abwassersystems von South Dakota eingeweiht werden”. Auch mancher Neurowissenschaftler wäre gut beraten, das Buch zu lesen, denn Eagleton hat etliche neue und intelligente Argumente für die Debatte um den freien Willen zu bieten.
Doch „Das Böse” ist nicht nur ein kluges Buch, sondern auch ein Leseverführer. William Shakespeare, Thomas Mann, Sigmund Freud und die Bibel – Eagleton schöpft aus vielen Quellen der Weltliteratur, um das Wesen des Bösen zu erhellen. Die vielen fremden und eigenen Gedanken reiht er in dem essayartigen Buch wie Perlen aneinander – wobei der Leser manchmal in Gefahr ist, die Kette als Ganzes aus dem Blick zu verlieren. Es empfiehlt sich daher, Perle für Perle zu betrachten. Immerhin liefern schon wenige Seiten Denk- und Diskussionsstoff für einen ganzen Abend. Hanna Drimalla
Terry Eagleton DAS BÖSE Ullstein, Berlin 2011 207 S., € 18,– ISBN 978–3–550–08830–8





