Die energiereichen UV-Strahlen des Sonnenlichts gelten als der führende Hautkrebsfaktor – zumindest bei der weißen Variante der Hautgeschwulst besteht darüber Einigkeit. Beim viel gefährlicheren schwarzen Hauttumor, dem Malignen Melanom, gibt es hingegen paradoxe Befunde.
Medizinische Studien in sonnenreichen Ländern zeigten: Menschen, die sich während ihres Lebens häufig intensiver Sonneneinwirkung aussetzen, entwickeln zwar häufiger ein Melanom, verbessern gleichzeitig aber ihre Chancen, eine Melanom-Erkrankung zu überleben. Und nicht nur das: Die kontinuierlich getankte Sonnenstrahlung scheint einen mildernden Effekt auf den Krankheitsverlauf von mindestens 16 weiteren Krebsarten zu haben, darunter Brustkrebs, Lungenkrebs, Prostatakrebs und Hirntumore.
Erklären lässt sich diese ambivalente Beziehung zwischen UV-Strahlung und Krebserkrankung durch die körpereigene Vitamin-D-Synthese. Das hormonartige Vitamin wird fast ausschließlich von sonnenbestrahlter Haut produziert und lindert im Tierversuch nachweislich das Tumorwachstum. In Maßen genossen – das ist der entscheidende Punkt – schützt Sonnenlicht also vor Krebs. Eine Unterversorgung mit Vitamin D durch strikte Sonnenabstinenz, so warnen Experten heute, könnte genauso schwerwiegende Folgen für die Gesundheit haben wie eine hohe UV-Belastung. Simon Beuck




