Der Exotische Garten der Universität Hohenheim ist nur einen Steinwurf entfernt, wenn man vor dem „Institut für Agrartechnik in den Tropen und Subtropen” im Süden Stuttgarts steht. Die exotische Pflanzenwelt in unmittelbarer Nachbarschaft ist Zufall – aber sie paßt gut zu den Weltgegenden, in denen sich die Wissenschaftler dieser Einrichtung tummeln.
1995 war es die thailändische Hauptstadt Bangkok, wo Institutsdirektor Prof. Werner Mühlbauer eine Entwicklung seines Hauses präsentierte: eine umweltfreundliche Solaranlage, die Obst, Gemüse und Gewürzen auf sanfte Weise Wasser entzieht. Der „ Tunneltrockner” braucht lediglich Sonnenenergie, um beispielsweise bis zu 300 Kilogramm geschälte Bananen auf einmal zu dörren. Bislang legte man die Früchte einfach unter freiem Himmel in die Tropensonne. Der Tunneltrockner indes spart Zeit und verbessert die Qualität der Dörrware (bild der wissenschaft 9/1996, „Der Erntehelfer”). Die Anlage begeisterte nicht nur eine leibhaftige Thai-Prinzessin, sondern auch viele Kleinbauern. Sie versprachen sich zu Recht ein höheres Einkommen. Mehr als manche überzüchtete High-Tech-Anlage, die eher am Profit des industrialisierten Herstellerlandes orientiert ist, traf der Solartrockner die Bedürfnisse in Entwicklungsländern: einfach, kostengünstig, mit Ausnahme des Solarmoduls vollständig aus lokal verfügbaren Materialien montierbar. Er wurde zum Selbstläufer. Mittlerweile stehen einige hundert Exemplare in mehr als vierzig Ländern.
Derzeit sind die schwäbischen Experten dabei, die Anlage an neue Produkte oder geänderte klimatische Bedingungen anzupassen. Ein aktuelles Thema ist die Trocknung von Litschi-Früchten in Thailands hohem Norden. Auch gedörrte Mangos sind in Südostasien begehrt, ebenso wie die aromatischen Longans, die getrocknet in Thailand und China so beliebt sind wie hierzulande Chips. Wassergehalt, Farbe und Geschmack der Trockenprodukte müssen stimmen. Derzeit arbeiten die deutschen Experten daran, bei der Litschi-Trocknung ohne konservierende Schwefelung auszukommen. Auf dem europäischen Markt lasse sich „nur nichtgeschwefelte Ware in erstklassiger Qualität” absetzen, erklärt Mühlbauer.
Mit derartigen Fragestellungen, bei denen Technik, Umwelt und Wirtschaft zusammenspielen, beschäftigt sich auch der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Sonderforschungsbereich „Nachhaltige Landnutzung in den Bergregionen Südostasiens”. Das Vorhaben startete Anfang Juli 2000 in Hohenheim. Für Mühlbauer ist es wichtig, daß auch Agrarökonomen mit von der Partie sind: Man müsse sich bei der Suche nach Lösungen zuerst am Markt orientieren. „Wenn kein Markt da ist, können Sie das Produkt vergessen”, ist sein Credo. Wie sehr der Rat des bald 60jährigen gefragt ist, zeigen die vielen Anfragen, die täglich eingehen. „Gott und die Welt” schicken E-Mails – beispielsweise aus Costa Rica: Ob man auch Futterbohnen mit seiner Methode haltbar machen könne? Der Einsatz des Tunneltrockners lohnt sich dafür nicht, mailt der Hohenheimer Forscher zurück. Auch die Trocknung von Holz würde er dem mittelamerikanischen Land nicht empfehlen – der Regenwald verdient Schonung. In Brasilien dagegen, wo Eukalyptusbäume in Plantagen gezogen werden, trocknet die weltweit größte solarbetriebene Anlage „Marke Hohenheim” jährlich 35000 Kubikmeter Hartholz. Das Verfahren, das von Mühlbauers Stellvertreter Dr. Markus Bux entwickelt wurde, soll jetzt auch in Deutschland eingeführt werden.
Paul Janositz




