Wissenschaftler sind auch nur Menschen. Mehr oder weniger intelligent, mehr oder weniger integer, mehr oder weniger interessant. Deshalb taugen sie selten als Romanhelden. Anders Michael Beard: Er ist…
Wissenschaftler sind auch nur Menschen. Mehr oder weniger intelligent, mehr oder weniger integer, mehr oder weniger interessant. Deshalb taugen sie selten als Romanhelden. Anders Michael Beard: Er ist ein Kotzbrocken der besonderen Art. Dass der Physiker eine nobelpreiswürdige Entdeckung gemacht hat, liegt gut 20 Jahre zurück. Und seitdem ist ihm nichts Bemerkenswertes mehr gelungen. Als Aushängeschild eines nutzlosen Instituts für erneuerbare Energien zehrt er von seinem Ruhm, aufgeblasen und innerlich hohl ohne Ideen, ohne Ideale.
Seine fünfte Ehe geht gerade in die Brüche. Denn obwohl der Kerl klein, fett und kahl ist, hat er eine Affäre nach der anderen. Was die Frauen an ihm finden, bleibt ein Rätsel. Doch als seine Gattin den Spieß umdreht und sich demonstrativ ebenfalls Liebhaber nimmt, gerät seine Welt aus den Fugen.
Und damit beginnt eine überaus turbulente Geschichte. Ein Nebenbuhler stirbt in einer Szene, die an Dinner for one erinnert, ein anderer landet unschuldig im Gefängnis. Da klaut Beard skrupellos auch noch ein scheinbar geniales Verfahren, um aus Sonnenenergie Wasserstoff zu machen. Die ganze Story erscheint aberwitzig, ist aber witzig: Gespickt mit Ironie und voller hämischer Seitenhiebe auf heuchlerische Allianzen zwischen Wissenschaft und Politik. Man darf sie nur nicht allzu ernst nehmen.
Markus Bohn