Im Jahr 2015 suchten mehr als eine Million Menschen Asyl in Ländern der Europäischen Union – eine Rekordzahl, wie auch der UN-Flüchtlingskommissar bestätigt. Demnach gab es im Jahr 2015 mehr Flüchtlinge als in irgendeinem anderen Jahr seit dem Zweiten Weltkrieg. Ursache dieser Flüchtlingswelle waren vor allem der Krieg in Syrien, aber auch andere Konflikte und Probleme. In Deutschland, aber auch in anderen Ländern der EU hat diese “Flüchtlingskrise” eine heftige, bis heute anhaltende Debatte über Einwanderung und Asyl ausgelöst. Eine der Befürchtungen vieler Menschen hierzulande: Der starke Einstrom von Asylsuchenden und Migranten könnte zu einer zu großen wirtschaftlichen Belastung werden und Arbeitsplätze knapp werden lassen.
Daten aus 30 Jahren und 15 EU-Ländern
Welche ökonomischen und finanziellen Folgen der Einstrom von Flüchtlingen, aber auch von EU-internen Migranten für ein Land hat, haben nun Hippolyte d’Albis von der Paris School of Economics und seine Kollegen untersucht. Für ihre Studie analysierten sie Daten des Zeitraums von 1985 bis 2015 aus 15 EU-Ländern, darunter Frankreich, Deutschland, Italien und Großbritannien. Neben der Menge der Asylsuchenden und EU-Migranten erfassten sie Wirtschaftsdaten wie das jährliche Bruttinlandsprodukt, die Arbeitslosenrate, die Steuereinnahmen sowie die Staatsausgaben pro Kopf. Für die Auswertung nutzten die Wirtschaftswissenschaftler ein statistisches Modell von Christopher Sims, dem Wirtschafts-Nobelpreisträger des Jahres 2011. Dieses wird häufig genutzt, um die Auswirkungen ökonomischer Ereignisse oder Entscheidungen zu bewerten.
In diesem Fall definierten die Forscher einen starken Einstrom von Flüchtlingen als ein solches Schockereignis für die Wirtschaft. Während der Untersuchungsperiode gab es mehrfach Perioden mit besonders vielen Asylsuchenden – unter anderem während der Balkankriege 191 bis 1999 und dann ab 2011 durch den Arabischen Frühling und den Syrienkonflikt, wie die Wissenschaftler erklären. Gleichzeitig stieg ab der Osterweiterung der EU im Jahr 2004 auch die Zahl der Migranten aus EU-Ländern.
Positive Effekte überwiegen
Die Auswertung ergab: Entgegen landläufiger Annahme hat der unvorhergesehene und starke Einstrom von Asylsuchenden und Flüchtlingen keine unmittelbar negativen Auswirkungen auf die Wirtschaft der Empfängerländer – im Gegenteil. “Die zusätzlichen öffentlichen Ausgaben werden mehr als ausgeglichen durch eine Zunahme der Steuereinnahmen”, berichten d’Albis und seine Kollegen. “Unsere Ergebnisse zeigen, dass die Einwanderungs-Schocks sogar positive Effekte auf die europäischen Gesellschaften hatten: Sie erhöhten das Bruttoinlandsprodukt, senkten die Arbeitslosigkeit und verbesserten die Balance öffentlicher Ausgaben.”





