Kurz gesagt geht es ihm darum, wie im Geist des Menschen Bewusstsein entsteht und wie im Bewusstsein die Wahrnehmung der Welt und unseres Selbst stattfindet. Der für seine Arbeit vielfach ausgezeichnete Damasio beherrscht nicht nur sein Fach, sondern auch die Kunst, seine Leser mit leicht erzählten Anekdoten beim Nachdenken zu begleiten. Seine beiden Schlüsselfragen lauten: Wie erzeugt das Gehirn den Geist? Und wie entsteht das Bewusstsein unseres Selbst? Um Damasio beim Nachdenken folgen zu können, empfiehlt es sich, zunächst den 20-seitigen Anhang über den Bau des Gehirns zu studieren. Das erleichtert die Orientierung: Wovon spricht der Autor gerade, und wo im Gehirn ist das? Denn Damasio kann es seinen Lesern trotz seines Erzähltalents nicht ersparen, sie stellenweise tiefer hineinzuführen in die philosophischen Aspekte der Hirn- und Bewusstseinsforschung. Wer sich schon einmal mit, sagen wir, den Gedanken David Humes näher befasst hat, der tut sich gewiss leichter mit Formulierungen wie: Das Selbst-als-Wissender beruht auf dem Selbst-als-Objekt.
In solchen Passagen ist es keine Schande, auch mal einen Absatz zurück zu springen und ein zweites Mal zu lesen. Sobald man den Faden wieder aufgegriffen hat, führt Damasio einen auch wieder hinaus aus dem Labyrinth und schließlich zu der Einsicht: Unser Bewusstsein ist die Folge einer langen bio logischen Entwicklung. Denn eines ist für Damasio ganz klar: Weder Religion noch Spiritismus können die Frage nach Gehirn und Geist beantworten. Denn unabhängig von Körper und Gehirn existiert sicher kein Bewusstsein.
Jürgen Nakott





