Sein wichtigstes Arbeitsutensil dürfte seine Nase sein: Florian Mayer (36) schnüffelt hauptberuflich an verschiedenen Trichtern herum, die aus Prüfkammern und Gas-Chromatographen ragen. So identifiziert er gemeinsam mit seinen fünf Mitarbeitern – im Fraunhofer-Institut für Bauphysik IBP in Holzkirchen bei München – Ausdünstungen verschiedener Materialien wie Hölzer und Kunststoffe, die in Innenräumen eingesetzt werden. Hat der Geruchsexperte die chemische Struktur eines unangenehmen Geruchs ermittelt, zieht er Rückschlüsse auf mögliche Quellen und gibt den Herstellern Hinweise zur Beseitigung des unangenehmen Geruchs. Zahlreiche „Übeltäter” konnte der Wissenschaftler mit seinem Team bereits ausmerzen.
Geplant war diese Forscherkarriere anfangs nicht: „Mit 18 wollte ich mal Pilot werden”, erzählt der Lebensmittelchemiker, „ Hauptsache Reisen.” Als der Traum vom Fliegen wegen einer Sehschwäche früh zerstob, dachte er zunächst daran, in die Tourismusbranche zu gehen – bevor er beim Blättern in einem Verzeichnis verschiedener Studiengänge auf Lebensmittelchemie stieß. Die Spezialisierung auf Aromauntersuchungen bei Lebensmitteln erfolgte mit seiner Doktorarbeit, in der Florian Mayer Aromaunterschiede verschiedener Röstkaffees untersuchte.
Den Traum vom Fliegen musste er zwar aufgeben, doch der Traum von fernen Kontinenten ist geblieben. So tourt er gerne auf eigene Faust mit dem Rucksack durch „nicht-exotische” Länder. „ Ein bisschen Komfort muss im Urlaub schon sein”, grinst er. Wenn er allerdings erzählt, in Australien im Freien übernachtet und beim Einschlafen in den Sternenhimmel geschaut zu haben – umgeben von allerlei Kriechtieren –, bekommt der Begriff „Komfort” eine etwas andere Gewichtung. Mayer kann von Spinnen und Schlangen einiges erzählen – weniger aus biologischem Interesse als vielmehr, wie man sich auf Reisen vor ihnen schützen kann.
Im Alltag ist für Abenteuer keine Zeit. „Ich gehe gerne Bergwandern und im Winter Skifahren”, sagt Mayer. „Um freie Pisten zu haben, nehme ich auch mal in der Woche frei und arbeite dafür am Wochenende.” Während der Studentenzeit ist der Wissenschaftler ging er gerne ins Theater, heute geht er lieber ins Kino oder mit Freunden ein Bier trinken. Ob es den Weltenbummler auf Dauer in Deutschland hält, weiß er noch nicht. „ Ich könnte mir auch gut vorstellen, in Australien, Neuseeland oder den USA zu leben”, überlegt er. „Aber man muss schauen, wo man einen Job bekommt.” Zwei Jahre lang hat er das Leben im Ausland bereits getestet und in der Nähe von San Francisco die Aromaunterschiede verschiedener Tomatensorten untersucht.
In Projekten arbeitet Mayer oft im Team, auch wenn es Bereiche gibt, wo er lieber Einzelkämpfer ist. Doch ein Ellbogen-Typ ist er nicht: Er ist zurückhaltend, behält seine Meinung eher für sich. „Oft habe ich keine Lust, mich mit meinem Gegenüber auseinanderzusetzen – es sei denn, ich sehe eine Chance, den anderen zu überzeugen”, sagt der Wissenschaftler. „Ich selbst lasse mich von meiner Meinung nur schwerlich abbringen.” Und: „ Ich bin ein ordnungsliebender Mensch und auch privat sehr perfektionistisch.” Zwar könne er am Wochenende gut abschalten, doch eine Eigenheit verrät den Aromachemiker sofort: „Ich rieche an allen Lebensmitteln, Speisen und Getränken”, schmunzelt er, „ bevor ich sie konsumiere.”




