Eine komplexe kosmische Fata Morgana hat ein internationales Astronomen-Team im Sternbild Bootes erforscht. Von einer über elf Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie sieht man dort sechs verzerrte Bilder. Der Grund: Das Licht der Galaxie wird von drei etwa sieben Milliarden Lichtjahre fernen Galaxien im Vordergrund abgelenkt und aufgespalten. Ein solcher Gravitationslinseneffekt wurde schon von Albert Einstein auf Grundlage seiner Allgemeinen Relativitätstheorie beschrieben und seit 1979 in zahlreichen Fällen beobachtet. Mit sechs Geisterbildern auf einmal ist das Gravitationslinsensystem CLASS B1359-154 jedoch eine Besonderheit – bislang kannte man nur bis zu vier von einem Objekt.
CLASS B1359-154 wurde 1999 entdeckt und nun genauer ins Visier genommen vom Hubble-Weltraumteleskop und dem Very Long Baseline Array – einem zusammengeschalteten Verbund aus zehn über die ganze USA verteilten Radioteleskopen. Mit Computersimulationen gelang es den Forschern, die Entstehung der optischen Täuschung im All zu rekonstruieren.
„Das Linsensystem ist so interessant, weil es komplizierter ist als Linseneffekte, die von einer einzelnen Galaxie verursacht werden, aber wesentlich einfacher als Geisterbilder von ganzen Galaxienhaufen”, sagt Chris Kochanek vom Harvard-Smithsonian Center for Astrophysics.
Hans Groth




