Ian Wilmuth und Keith Campell, die „Väter” des Klonschafes Dolly, haben ihr Buch – nach eigener Aussage – nicht nur als Wissenschaftler, sondern auch als Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft geschrieben. Ein hoher Anspruch: Sie wollen dem Leser Einblick in zell- und molekularbiologische Grundlagen geben und ihn zugleich zu einer differenzierten ethischen Bewertung befähigen. Das Erste gelingt den beiden schottischen Forschern mit Hilfe des Wissenschaftsjournalisten Colin Tudge sehr gut, das Zweite allerdings kaum.
Wilmuth und Campell erzählen sehr persönlich von ihrer Motivation, sich der Reproduktionsbiologie und Gentechnik zuzuwenden, und schildern dabei ihre nicht ganz geradlinigen Lebensläufe, auch ihre Erfahrungen im Medienrummel um Dolly. Wilmuth und Campell erscheinen als recht normale Menschen mit sehr pragmatischen Ansichten und keinesfalls als Schöpfer von „ Frankensteins”. Außerdem vermittelt der wissenschaftliche Teil, wie lang und steinig der Weg zu einem erfolgreichen Experiment ist.
Doch wenn es um die ethische Bewertung geht, verstecken sich die Autoren hinter dem Allgemeinplatz, dass alles, was machbar ist, eines Tages gemacht werden wird und tun ihren eigenen Beitrag schulterzuckend ab: „Das Klonen von Menschen gehört von nun an zu den Möglichkeiten, die die Zukunft bereithält und wir haben dazu beigetragen. Wir würden uns wünschen, dass es anders wäre, müssen uns aber damit abfinden.”
Ian Wilmuth, Keith Campell, Colin TudgeDOLLY Der Aufbruch ins biotechnische Zeitalter Carl Hanser Verlag, München/Wien 2001 405 S., DM 49,80
Susanne Liedtke





