Der sizilianische Vulkan Ätna stinkt zum Himmel: Die schwefelhaltigen Ausdünstungen aus seinem Höllenschlund wurden bei den heftigen Eruptionen im August dieses Jahres fünf Kilometer hoch geschleudert. Der Ätna ist die größte Einzelquelle für das Gas Schwefeldioxid (SO2) in Europa. Es wird in der Atmosphäre zu feinsten Schwefelsäuretröpfchen – einem Aerosol – umgewandelt. Niederschlag aus solchen Wolken ist als saurer Regen bekannt. Die Schwefelgase gelangen bis in die untere Atmosphärenschicht, die Troposphäre, was Folgen hat. „ Computersimulationen haben gezeigt, dass vulkanischer Schwefel das Klima stark beeinflusst”, meint Dr. Hans Graf vom Hamburger Max-Planck- Institut für Meteorologie.
Weltweit sind etwa 350 Vulkane aktiv. Viele von ihnen dünsten Gase aus wie der Ätna. Vulkanischer Schwefel wird meist hoch oben an den Gipfeln der Vulkane – beim Ätna sogar oberhalb der Wolken – emittiert. Dort verbleibt er ein paar Tage in der Luft und dämpft die einfallende Sonnenstrahlung.
Zu spektakulären Vulkaneruptionen, bei denen die Gase hoch in die Atmosphäre geschleudert werden, kommt es nicht oft. Glühende Aschewolken und vulkanische Gase können dann bis zu 100 Stunden-kilometer schnell über 10 Kilometer hoch steigen. Zu diesem Vulkantyp gehört auch der philippinische Mayon, der zeitgleich mit dem Ätna ausbrach. Die Eruptionssäulen solcher Vulkane erreichen eine Atmosphärenschicht, die Stratosphäre, die nicht mehr im ständigen Austausch mit dem Erdboden steht. Die schwerere Asche sinkt nach wenigen Wochen zu Boden, aber vulkanische Gase und das Schwefelsäure-Aerosol werden über den gesamten Globus verteilt und bleiben einige Jahre in der Stratosphäre. Etwa die Hälfte des Schwefels in dieser Höhe stammt von Vulkanen.
Bei der Jahrhundert-Eruption des philippinischen Vulkans Pinatubo vor zehn Jahren wurden während weniger Stunden etwa 15 Millionen Tonnen SO2 in die Stratosphäre gepumpt. Die Schwefelkonzentration in der Stratosphäre nahm dadurch um das 20fache zu und sank erst nach drei Jahren wieder auf ihren Normalwert. Es wurde eine kurzzeitige weltweite Abkühlung von einem halben Grad Celsius gemessen.
Durch vulkanischen Schwefel wird auch die stratosphärische Ozonschicht angegriffen, die uns vor den gefährlichen UV-B Strahlen schützt. „Diese Gefahr besteht allerdings erst, seit wir Menschen die Chlorkonzentration in der Stratosphäre stark erhöht haben”, sagt Atmosphärenforscher Graf. Ähnlich wie beim Aufreißen des Ozonlochs im antarktischen Frühling, finden an der Oberfläche der Schwefel- Aerosole Reaktionen mit Chlor statt, die das Ozon zerstören. Nach der Pinatubo-Eruption wurden auch in unseren Breiten Rekordverluste an stratosphärischem Ozon von 50 Prozent beobachtet.
Christiane Textor




