Magnetismus polarisiert: Auf technikbegeisterte Zeitgenossen übt der Transrapid eine starke Anziehungskraft aus – ihre Kritiker stößt die geplante Magnet-Schnellbahn dagegen heftig ab.
Noch vor seiner Taufe hat der Transrapid einen kleinen Bruder bekommen. An der Fakultät Maschinenbau der Universität Hannover entsteht derzeit eine Miniatur-Schwebebahn. Sie soll nicht Personen transportieren, sondern Werkstücke schnell und reibungslos in computergesteuerte Werkzeugmaschinen schleusen.
“Die Verwandtschaft unseres Systems mit dem Transrapid beschränkt sich auf das elektromagnetische Funktionsprinzip”, erklärt Prof. Karl Popp vom Institut für Mechanik. Anders als sein großer Bruder soll der schwebende Schlitten Werkstücke tragen, die mehr wiegen als er selbst – und dabei präziser arbeiten als Modelle mit mechanischer Führung.
Die nötige Kraft liefern zwölf Elektromagnete, die an beiden Seiten der Führungsschienen wirken und den Schlitten in der Schwebe halten. Die Magnete werden von sechs Sensoren und einem schnellen Rechner so gesteuert, daß Abweichungen vom vorgegebenen Prozeßablauf sofort korrigiert werden. Der Energieaufwand ist dennoch gering – das liegt am knapp bemessenen Luftraum: Der Abstand zwischen Schlitten und Schienen beträgt nur 0,3 Millimeter.
Einsatzreif ist die Magnetführung noch nicht, dazu fehlt es dem Labormodell noch an Steifigkeit. Derzeit tüfteln die Entwickler an einem Direktantrieb für ihre Erfindung. “Auf der Hannover-Messe im vergangenen Jahr wurden wir aber schon gefragt, wo man unser System kaufen kann”, deutet Projektbetreuer Karl-Dieter Tieste die Perspektiven an.
Neben ihrem Nullverschleiß und der hohen Präzision hat die Magnetführung einen weiteren Wettbewerbsvorteil: Der Schwebetisch benötigt keine Schmierung und ist deshalb auch für Reinräume oder für Einsätze im Vakuum geeignet.
Norbert Raabe




