„Warum wird die Sonne heute kleiner? Warum kommt ihr so weit hergereist?” Die Kinder überschütteten uns mit Fragen, als wir auf ihrem Schulgelände bei Nyamapanda in Simbabwe unsere Teleskope und Kameras in Position brachten.
44 Leser von bild der wissenschaft hatten sich auf die bdw-Reise zur totalen Sonnenfinsternis gemacht. Das Himmelsspektakel bildete den krönenden Abschluß einer zweiwöchigen Afrika-Tour. Höhepunkte zuvor waren die rätselhafte Stadt „Great Zimbabwe”, die Viktoria-Fälle und zwei Safari-Touren in den Hwange-Nationalpark. Die Ursprünge von Great Zimbabwe gehen bis ins 6. Jahrhundert n.Chr. zurück und sind ungeklärt. In den riesigen, zum Gutteil noch erhaltenen Bauten wurden glasiertes Porzellan aus China, Fayencen aus Persien und Gläser aus Syrien gefunden. Im Innenbezirk stellt der konische Turm die meisten Rätsel. Es gibt weder Hohlräume noch versteckte Schatzkammern, nur dicht gepackte Granitblöcke.
Bei den Viktoria-Fällen wurden die Reiseteilnehmer naß bis auf die Haut. Auf 1700 Meter Breite stürzen die Wassermassen hier über 100 Meter in die Tiefe und quetschen sich anschließend in eine enge Schlucht – ideal für White-water-rafting. Noch stärkeren Nervenkitzel bot das Bungee-Springen von der 120 Meter hohen Brücke über der Wildwasserschlucht. Zwei unserer Reiseteilnehmer wagten den (fast) freien Fall in die Tiefe.
Im 14000 Quadratkilometer großen Hwange-Nationalpark brachte das Safari-Glück den bdw-Reisenden bei zwei Ausfahrten im offenen Geländewagen Löwen und sogar Nashörner vor die Kameras.
Und dann kam der 21. Juni, der Tag der Finsternis. Nur ein paar Alibi-Wölkchen standen am Himmel. Pünktlich um 13 Uhr 52 Minuten und 16 Sekunden fraß der Mond die Sonnenscheibe von links unten an und schob sich im Laufe der nächsten Stunde und 20 Minuten unaufhaltsam vor das gleißende Tageslicht.
Drei Minuten und etwa zehn Sekunden währte die totale Sonnenfinsternis, dann blitzte am Rand der erste Sonnenstrahl auf, begrüßt vom Jubel vor allem der Schulkinder.
Wolfram Knapp




