Ab etwa 270 v.Chr. wachsen die keltischen Ranken in die dritte Dimension: Aus dem Waldalgesheim-Stil entwickelt sich der sogenannte Plastische Stil. Besonders schön, „geradezu lehrbuchhaft”, sagt Hoppe, zeigt das der Führungsring für Zügel (links). Er stammt aus Mezek in Südbulgarien, dem damaligen Grenzgebiet zu Thrakien. Schmückt den Ring nur ein Ornament oder vielmehr ein Gesicht? „Die Doppeldeutigkeit ist charakteristisch für den Stil”, weiß der Experte. Je nachdem, wie man auf das Objekt schaut, sieht man etwas anderes. Lange hielt man den Stil für ein Phänomen aus dem östlichen Siedlungsgebiet der Kelten, doch dann tauchte er auch weiter westlich auf, was die enorme Verbreitung „keltischer Kultur” in Europa belegt. Der 11,5 Zentimeter lange eiserne Achsnagel (rechts) wurde bei Bad Urach am Nordrand der Schwäbischen Alb aus der Erms gefischt. Er diente zur Sicherung eines Rads. Der mit Bronze überzogene Zierteil besteht aus gehörnten Mischwesen. Hoppe vermutet: „Solche Gestalten an einem Wagen sollten wohl helfen, Unheil von der Fahrt abzuwenden.”




