Die Hormonexperten der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) bezweifeln, dass eine Hormonersatztherapie für Frauen nach den Wechseljahren vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen schützt. Hormonpillen oder -pflaster sollen den sinkenden Östrogenspiegel ausgleichen und damit nicht nur Wechseljahresbeschwerden lindern, sondern – so die bisherige Lehrmeinung – bei langfristiger Einnahme auch das Risiko für Schlaganfälle oder Herzinfarkte senken. Den Östrogenen wird eine Schutzwirkung zugeschrieben, da Gefäßerkrankungen bei Frauen deutlich seltener auftreten als bei gleichaltrigen Männern. Aus Sicht der DGE liegen aber keine ausreichenden Belege vor, die eine Schutzwirkung durch Hormongaben bestätigen. Im Gegenteil: Die ersten Zwischenergebnisse einer derzeit noch nicht abgeschlossenen, zehnjährigen US-amerikanischen Beobachtungsstudie an über 27 000 herzgesunden Frauen lassen sogar eine zu Beginn der Hormontherapie leicht erhöhte Rate an Herzinfarkten vermuten. Darüber hinaus haben drei Studien gezeigt, dass bei Frauen, die bereits an Gefäßerkrankungen litten, die zusätzlichen Hormone nicht halfen.
Thomas Wilke




