„Hallo, da sind wir wieder, die Schüler-Reporter der experimenta.” Der blonde Dreizehnjährige schaut offen in die Kamera und wirft lässig sein Haar aus dem Gesicht. „Ich bin Niklas.” Er übergibt das Mikrofon an den neben ihm stehenden Furkan. Der Zwölfjährige stellt sich ebenfalls vor und gibt weiter an die sechzehnjährige Phuong: „Also heute sind wir bei der Firma Hüttinger, in Schwaig bei Nürnberg. Das sind die Exponatebauer, die den größten Teil der Exponate anfertigen. Und wir sind schon sehr gespannt, was uns heute hier erwartet.” Furkan übernimmt wieder: „Kommt, jetzt gehen wir aber rein, dort ist der Eingang.” Die Schüler laufen los – und Schnitt. Die erste Szene ist im Kasten. Die Schüler-Reporter der experimenta Heilbronn haben sich viel vorgenommen für den Tag: Sie wollen erkunden, was ein Exponatebauer macht, wie ein Exponat entwickelt wird und was das Besondere an der Arbeit für die experimenta ist. Dazu haben sie sich mit dem Projektleiter der Firma, Matthias Rudloff, verabredet, der sie durch das Unternehmen führt und ihnen geduldig Rede und Antwort steht. Mit von der Partie sind ein Kameramann, Projektbetreuerin Nelly Swiebocki-Kisling von der Agentur Leers Marcom aus Heilbronn sowie Marketingleiterin Ann-Kathrin Schnell von der experimenta.
Das Drehbuch für den Tag haben die Nachwuchsjournalisten selbst geschrieben – mit ein wenig Unterstützung von PR-Managerin Swiebocki-Kisling. Der fertige Film wird im Internet abrufbar sein, ebenso die Reportage, die die Kinder später schreiben werden. Sie wird gleichzeitig in der Tageszeitung „Heilbronner Stimme” abgedruckt. Die Nachwuchsjournalisten liefern schon vor der Eröffnung Einblicke: in den Ausstellungsbau, die Kursangebote zum Experimentieren, den Einbau der Exponate usw. Sie machen die experimenta in der Öffentlichkeit bekannt – und vor allem bei der Hauptzielgruppe des Science Centers: den Schülern. Doch wer mit Schülern arbeitet, muss strenge Auflagen beachten: Ohne Einwilligung der Eltern darf kein Kind vor der Kamera stehen oder etwas publizieren. Laut Jugendarbeitsschutzgesetz dürfen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren überdies keiner Erwerbsarbeit nachgehen. Agieren sie dennoch in der Öffentlichkeit, müssen strenge Auflagen eingehalten werden. Zum Beispiel darf die Schulleistung nicht leiden. Die Schülerreporter machen alles freiwillig – ohne Bezahlung.
So viel Engagement ist nicht selbstverständlich. „Wir müssen das realistisch sehen: Nicht jeder Schüler wäre dazu bereit”, sagt Schnell. Daher hat sie ihre Nachwuchsjournalisten in Kooperation mit der Akademie für Information und Management Heilbronn-Franken ausgewählt. Jugendliche, die dort bei Workshops durch hohes Engagement auffielen, wurden vom experimenta-Team angesprochen, ob sie sich einen Einsatz als Schüler-Reporter vorstellen könnten. Zehn sagten verbindlich zu – sechs Gymnasiasten und vier Realschüler.
Der Einsatz lohnt sich für beide Seiten: Die Kinder bekommen einen Einblick in die Medienwelt, sind stolz auf ihre publizierten Arbeiten und freuen sich, dass ihre Meinung gefragt ist. Ann-Kathrin Schnell erfährt, was die Schüler wirklich interessiert: „Es ist einfach spannend zu sehen, wie anders Kinder die Welt betrachten. Wie sie auf Dinge zugehen, was sie bemerken und was sie sich merken.” Für die Science-Center-Macher sind solche Erkenntnisse Schätze, erfahren sie doch dadurch, wie ihre Zielgruppe tickt. ■
von Anke Biester




