In den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik gibt es ausgeprägte Geschlechterunterschiede. Mit Ausnahme der Lebenswissenschaften entscheiden sich nach wie vor weit mehr Männer als Frauen für ein Studium oder einen Beruf in diesen Bereichen. Dieser Gender Gap zeigt sich schon in der Schule, wo Jungen im Schnitt besser in MINT-Fächern abschneiden als Mädchen. Das Gegenteil ist beim Lesen und Schreiben der Fall, wo Mädchen weltweit bessere Noten erzielen als Jungen. Studien zeigen jedoch, dass dies nicht auf biologisch-kognitive Unterschiede zurückgeht, sondern in hohem Maße auf den Einfluss veralteter Stereotype und Vorurteile. Aber wie früh setzen sich diese Gedankenstrukturen in unseren Köpfen fest und wie weit verbreitet sind sie wirklich?

Wie weit verbreitet sind Gender-Vorurteile?
Das hat nun ein Team um David Miller von den American Institutes for Research (AIR) untersucht. Dafür fassten die Bildungswissenschaftler 98 Studien aus dem Zeitraum 1977 bis 2020 zusammen. In diesen wurden über 145.000 Kindern zwischen vier und 17 Jahren aus 33 Ländern dazu befragt, wie sie über die Kompetenzen von Mädchen und Jungen in verschiedenen Schulfächern denken. Es handelt sich damit um die bisher größte Studie über Geschlechterstereotypen von Kindern in Bezug auf MINT und verbale Fähigkeiten.
Die Auswertung ergab, dass Kinder schon ab sechs Jahren Jungen in Informatik, Technik und Ingenieurwissenschaften für besser und talentierter halten als Mädchen. Diese Voreingenommenheit nimmt bei Jungen bis zum Alter von 13 Jahren überraschenderweise zunächst ab, dann aber mit zunehmendem Alter wieder zu. Bei Mädchen nimmt dieser Gender Bias hingegen stetig zu: Je älter die Kinder, desto weiter verbreitet der Irrglaube. Das könnte die zukünftigen Ambitionen der Mädchen für schnell wachsende Technologiebereiche wie künstliche Intelligenz möglicherweise einschränken.





