Als Erwachsene setzen wir uns alltäglich mit Wahrscheinlichkeiten auseinander. Wird es heute regnen? Werde ich meinen Anschlusszug noch bekommen? Und habe ich eine Chance auf den Lotto-Jackpot? Dabei ordnen wir die Wahrscheinlichkeiten auf einer kontinuierlichen Skala von „so gut wie sicher“ bis „nahezu ausgeschlossen“ ein. Tritt ein sehr unwahrscheinliches Ereignis dann doch ein, sind wir üblicherweise überrascht. Für Kinder im Grundschulalter haben Studien bereits gezeigt, dass sie keinen Unterschied zwischen extrem unwahrscheinlichen und unmöglichen Ereignissen machen – zumindest, wenn sie explizit danach gefragt werden. Doch wie ist es mit Kleinkindern?
Scheinbar unmögliches Ereignis
„Wir wollten wissen, ob auch Kleinkinder über mögliche Zustände der Welt nachdenken, bevor sie jahrelange Erfahrungen gesammelt haben und bevor sie die Sprache haben, um diese mentalen Zustände zu beschreiben“, erklärt Lisa Feigenson von der Johns Hopkins University in Baltimore. Gemeinsam mit Erstautorin Aimee Stahl vom College of New Jersey hat sie deshalb ein Experiment mit insgesamt 335 Kindern im Alter von zwei bis drei Jahren durchgeführt. „Wir machten uns dabei die Erkenntnisse zunutze, dass Kinder schon ab dem Säuglingsalter besser nach unmöglichen als nach möglichen Ereignissen lernen“, erklären die Autorinnen.
Für den Versuch präsentierten die Forscherinnen den Kindern eine Art Kaugummi-Automat mit Spielzeugen in den Farben lila und pink. Bei einigen Kindern waren gleich viele Spielzeuge beider Farben enthalten, bei anderen dagegen deutlich weniger pinkfarbene – bis hin zu manchen Automaten, in denen ausschließlich Spielzeuge in lila zu sehen waren. Die Kinder durften nun eine Münze in ihren Automaten werfen, woraufhin eines der Spielzeuge über eine Rutsche aus dem Automaten fiel. Dabei manipulierten die Forscherinnen die Automaten so, dass die Kinder immer ein pinkfarbenes Spielzeug bekamen, selbst wenn der Automat nur Spielzeuge in lila enthielt. Unmittelbar nachdem das Kind das Spielzeug erhalten hatten, sagten die Forscherinnen dem Kind, es handele sich dabei um ein „Blick“ – ein ausgedachter Name für den Gegenstand.
Verbessertes Gedächtnis
Später präsentierten die Forscherinnen jedem Kind eine Auswahl mehrerer Spielzeuge mit jeweils unterschiedlichen ausgedachten Namen und baten die kleinen Versuchsteilnehmer, ihnen das „Blick“ zu zeigen. Die Theorie dahinter: Je überraschter das Kind zuvor war, desto besser sollte es den Namen im Gedächtnis behalten haben. Ein Kind, das ein rosa Spielzeug aus einem Automaten mit 39 lilafarbenen und nur einem pinkfarbenen Spielzeug erhält, sollte sich den Namen demnach besser merken können als ein Kind, dessen Automat jeweils zur Hälfte pink- und lilafarbene Spielzeuge enthielt, aber schlechter als eines, in dessen Automat sich scheinbar kein einziges pinkes Spielzeug befand.





