Horst Liebl versteht die Welt nicht mehr. Da hat der Stuttgarter Tüftler und Wahl-Elsässer eine Erfindung gemacht, die Millionen Menschen mit Hautproblemen helfen könnte – und keiner will sie haben.
Seit Jahren zerbricht sich Liebl den Kopf darüber, wie man die Effizienz von kosmetischen Salben und Cremes verbessern kann. Nur ein winziger Bruchteil der Wirkstoffe dieser Mittel durchdringt nämlich die oberste Hornschicht der Haut, das Stratum corneum. Schließlich ist es eine der wichtigsten Aufgaben der Haut, das Eindringen von Fremdstoffen in das Körpergewebe zu verhindern.
Liebls Lösung für dieses Problem hieß Mikroperforation. Dafür entwickelte er den sogenannten Dermaroller – eine kleine Walze, die mit winzigen Nadeln besetzt ist. Sie sind gerade so lang, daß sie das Stratum corneum perforieren, die tiefer liegende Dermis aber nicht verletzen. Trägt man eine Creme auf, wird sie durch Rollen der Walze in die tieferen Hautschichten transportiert. Die kleinen Einstichkanäle sind nach wenigen Stunden wieder geschlossen. Daß das Prinzip funktioniert, bestätigt eine Studie von Prof. Alfred Fahr von der Philipps-Universität Marburg. Fahr: „Wir haben herausgefunden, daß die Steigerung der Wirkstoff-Einschleusung in die tieferen Hautschichten mit dem Dermaroller bis zu 1238 Prozent betrug.”
Wer jetzt glaubt, die Kosmetik- und Pharmaindustrie würde sich um den Dermaroller reißen – weit gefehlt. Liebl: „Von allen Seiten herrscht eisiges Schweigen. Ich glaube, die Industrie schämt sich zuzugeben, daß ein medizinischer Laie mit einem so lächerlichen Gerätchen ein lange bekanntes Problem gelöst hat.”
Hans Groth




